Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.4. Amphitheater und Theater (Klára Póczy)

Verfüllung zwischen den beiden Fußbodenniveaus stammenden Funde bestätigen diesen Zeitpunkt. Bemerkenswert ist die Lösung der Wasserversor­gung und Kanalisation im Amphitheater. Von dem auf Bogen ruhenden Aquädukt führte eine Abzwei­gung bis zu seinem östlichen Tor. Die Abwässer flössen in einen steinernen Kanal, der mit Stein­platten abgedeckt war. Das überlaufende Wasser leitete man in den Wehrgraben der Stadt. 9 Im Ergebnis weiterer Rettungsgrabungen wur­den die Pfahlbündel des ersten aus Holz konstru­ierten Bauwerkes freigelegt und dokumentiert. 10 Das könnte bedeuten, daß sich drei Bauperioden des Amphitheaters mit zuverlässigen Befunden abzeichnen. Der erste Steinbau entstand zur Zeit des Antoninus Pius, sein Alter entspricht dem des Militäramphitheaters. Bei der Konstruktion entschied man sich für eine einfachere Lösung als im Falle des von der technischen Einheit der Legion errichteten monumentalen Bauwerks. Die zweite Periode deutet in die Zeit Caracallas. Einer Inschrift zufolge nahmen der Kaiser und seine Mutter 214 persönlich an den Feierlichkeiten zur Eröffnung des renovierten Gebäudes teil. Die drit­te Phase ist in das bereits erwähnte Jahr 259 zu setzen. Allerdings fand man bei den Rettungsgrabungen weder Spuren des im 19. Jahrhundert freigelegten und publizierten Nemesis-Heiligtums, noch der in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts beo­bachteten Gladiatorenkaserne. Die Sammlung der in Aquincum so populären Gladiatordarstellungen (L. NAGY 1937/4) bereicherte neben mehreren figuráién Sigillata-Darstellungen auch eine in der Militärstadt gefundene Silberfibel, auf der ein Gla­diatorenkampf abgebildet ist. 11 (Abb. 3.) Als neues Ergebnis im Hinblick auf das Mili­täramphitheater verdient eine von der früheren abweichende Rekonstruktionslösung des Gebäude­typs Erwähnung. (Abb. 4.) Zu diesem zeichnerisch und textlich niedergelegten Versuch kam es im 9 Grabung K. Póczy und Gy. Hajnóczi 1970, Plan 1, Nr. 13. 10 Grabung P. Zsidi 1990, Plan 7, Nr. 18. 11 Vorläufiger Bericht: O. Madarassy und A. Kirchhof: Aqfüz 9 (2003) 190-191. Rahmen der architekturhistorischen Auswertung der pannonischen Amphitheater (HAJNÓCZI 1971). Eine kurze Nachgrabung im Zusammenhang mit der denkmalgerechten Restaurierung des Gebäudes hat außerdem gezeigt, daß das Mili­täramphitheater erst an der Wende 4./5. Jahrhun­dert zu einem Kastell, d.h. zu einer militärischen Zwecken dienenden Festung, umgebaut worden sein dürfte. Dabei hat man zum Zumauern der Tore und Zuschaueraufgänge oder zum Ausbes­sern der stellenweise schon verfallenden Mauern Steine bzw. Abrissziegel verwendet, die aus einem der in der Zeit Valentinians I. in der Bécsi út Abb. 3. Silberfibel mit kämpfenden Gladiatoren aus der Militärstadt Abb. 4. Die Konstruktionszeichnung des Militäramphitheaters (Gy. Hajnóczi)

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