Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.4. Amphitheater und Theater (Klára Póczy)
7.4. AMPHITHEATER UND THEATER Über das Theaterspiel gibt in Aquincum eindeutig die Inschrift (CIL III 3423) eines Altarsteins Auskunft, den ein Mitglied des collegium scaenicorum, ein Souffleur (monitor), zu Ehren des Silvanus errichten ließ (SZILÁGYI 1950/3, 490, Anm. 64). Bislang war in den Publikationen immer nur von einem pannonischen Theater die Rede, dessen Konturen außerhalb der Stadtmauer von S avaria man auf Luftbildern erkennen konnte. 1 An dieser Stelle wurde eine Nachgrabung durchgeführt. „Im Jahre 1955, und dabei fand man unter mehreren dicken Planierungsschichten das Steinfundament der in den Abhang geschnittenen Sitzbänke [...], seiner originalen Verkleidung hatte man das Bauwerk beraubt und es bereits sehr früh als Steinbruch benützt." 2 Der Nemesis geweihte Altarstein von dem Fundort war damals schon bekannt, aber ihr Heiligtum wurde zerstört. Bis zum Ende der römischen Kaiserzeit dürfte das Theater von S avaria ein dominierender Ruinenkomplex gewesen sein. Nach dem Text der passio Quirini hat es seine Funktion im Zeitraum der Tetrarchie noch erfüllt. Hier verurteilte der Statthalter der Provinz den Bischof vor versammelter Menge zum Märtyrertod und von hier ließ er ihn zur Richtstätte führen (E. TÓTH 1998, 62-63). Auch in Aquincum verrieten 1997 Luftaufnahmen die Stelle eines monumentalen Rundbaus (Theater oder Amphitheater) (ZSIDI 1997/3, 59). Lajos Nagy hatte früher (L. NAGY 1942/1, 560) über ein eventuell vorhandenes Theater folgendes geschrieben: „Nach den Bräuchen, denen die antike Welt bei der Auswahl eines Platzes für das Theater folgte, müßte es am Fuße des die Stadt säumenden Hügellandes zu finden sein, wo 1 Neben dem Theater von Savaria sei, nur als Beispiel, auf Grund der Erwähnung in eine Inschrift jenes von Sirmium genannt. 2 T. B. Buócz, Savaria topográfiája [Topographie von Savaria]. Szombathely 1967, 15, 17, 51. man die Sitzplätze leicht in Halbkreisform in den Hügel einschneiden konnte." Diese Vorstellung traf zu, denn das besagte Bauwerk zeichnete sich an dem zur Donau abfallenden Hang des Csúcshegy genannten Hügels ab, und zwar in Höhe des ersten Plateaus über der nach Brigetio führenden Straße, auf gleicher Linie mit dem westlichen Tor der Zivilstadt. Von der Stadt war das umfangreiche Bauwerk gut zu sehen, und umgekehrt bot sich vom Hügel ein schöner Blick auf das Stadtzentrum. Die Nachforschungen ergaben, daß der Bau schon vor der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts stand (ZSIDI 1997/3, 63-65). Von der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts stammt die Terrakottamaske eines Schauspielers, die in der Töpferwerkstatt der Zivilstadt am Donauufer (Gasfabrik) angefertigt wurde (KUZSINSZKY 1932, 310, 318, Abb.). Bemerkenswert ist die schon seit langem bekannte Maske deshalb, weil die Augenöffnungen dieses Exemplars, abweichend von den Analogien geschlossen, d.h. nicht durchbohrt sind, so dass der Mime (mimus) sie nicht aufsetzen konnte. Was die Verwendung der Maske anlangt, warf man die verschiedensten Möglichkeiten auf, unter denen diejenige am wahrscheinlichsten erscheint, daß sie in einem Trauerzug das Gesicht des verstorbenen Schauspielers bedeckte. Dennoch sind wir - angesichts verschiedener zeitgenössischer Darstellungen - der Meinung, daß der den Prolog vortragende Ansager diese „stupidus"-Maske in seiner Hand hielt, und zwar als ein für alle sichtbares Zeichen des darauf folgenden Lustspiels. 3 Mitunter brachte der den Prolog rezitierende Mime auch mehrere Masken mit, um die im Stück vorkommenden tragischen, komischen und lyrischen Rollen vorzustellen. 4 So, wie 3 J. Fugmann, Römisches Theater in der Provinz. Schriften des Limesmuseums Aalen 41, 1988, 18—19. 4 Ch. Holliger, Ein römisches Provinztheater. Museum Burghalde, Lenzburg, 1997, 19.