Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)
Abb. 17. Henkelkrug aus dem südlichen Handwerkerviertel der Zivilstadt dem Prunkpanzer befindliche Inschrift - LEG(io) II AD(iutrix), AVR(elius) ING(...) - und die auf lokale Ansprüche zugeschnittenen Darstellungen (Virtus, Honor und Minerva) dürften demnach auf die Produktionsumstände hindeuten. Ein Beweis für den Aufschwung in der Bauindustrie ist der schon vor längerer Zeit in der Militärstadt geborgene Fund von Zimmermannswerkzeug (L. NAGY 1937/3). Das andere Handwerk, dessen Arbeitsgeräte relativ gut bekannt sind, war die Steinbearbeitung. Uber die dazu notwendigen Werkzeuge informieren die auf Grabsteinen bzw. an Grabbauten vorkommenden Darstellungen. Im Bereich des Amphitheaters der Zivilstadt stießen wir auf den Lagerbestand einer Anfang des 3. Jahrhunderts tätigen Steinmetzwerkstatt, mit den eingelagerten Fertig- und Halbfertigprodukten sowie Rohstoffen. Als man das im 2. Jahrhundert benutzte Gräberfeld der Militärstadt (Ladik utca) aufgab, nahm in dessen ehemaligem Gebiet vorübergehend eine Steinmetzwerkstatt den Betrieb auf. Nur das schon abgerissene und wiederverwendbare Steinmaterial wurde abtransportiert und der zurückgelassene Abfall und Bruch anschließend sorgsam planiert (ZSIDI 1997[1998], 143). 25 Auch in der Steinbearbeitung läßt sich beobachten, wie der charakteristische orientalische Einfluss auf das lokale Handwerk zur Geltung kam. Stifter der den orientalischen Gottheiten Dea Syria und Baltis gewidmeten, mit dem typischen, oft auch an Sarkophagen vorkommenden Peltenmotiv verzierten Bauinschrift war Caius Iulius Sextinus (KUZSINSZKY, 1937, 135; T. NAGY 1971/3, 134). Laut Inschrift hat der Pächter, gestützt auf einen Beschluss des Stadtrates, auf eigene Kosten ein mit Ziegeln gedecktes und mit einer Tür versehenes Tor errichten lassen. Der orientalische Einfluss spiegelt sich auch in den Dekorationen im Inneren der Gebäude wider. In Aquincum arbeitete damals eine die Vorbilder der Maler von Dura-Europos benutzende Werkstatt für Wandmalereien (PÓCZY 1955), und zur gleichen Zeit erschienen an den neuen öffentlichen Bauten die Arbeiten einer Gruppe syrischer Gebäudedekorateure. 26 Die Deckenstuckatur in der Villa am Csúcshegy ist an die frühe Phase der Stuckkunst anzuschließen, während die späteren Stuckarbeiten - mit reicheren architektonischen Verzierungen und figuralen Darstellungen - bereits orientalisch beeinflusst sind. Die schönsten Stuckarbeiten in Aquincum schmückten einst das im nordöstlichen Teil der Militärstadt (Folyamőr utca) stehenden Gebäude (PARRAGI 1991). In demselben Gebäude kamen gleichzeitig die schönsten Mosaiken der zurückliegenden Forschungsperiode zum Vorschein, und auch in diesen kann man den Einfluss der orientalischen Werkstätten und Meister entdecken (Aquincum 1986, 209, Nr. 755, SZIRMAI 1998/2). 25 Dasselbe konnte man bei dem Südgräberfeld der Zivilstadt bemerken, BESZÉDES 2002. 26 Vgl. den Abschnitt „Die Innendekoration der Gebäude" (7.2.).