Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

Staatliche Großbetriebe, zentrale Versorgung (das Zeitalter der Tetrarchie und die konstanti­nische Dynastie) Die Vierteilung Pannoniens im Jahre 294 verän­derte den Handel und das lokale Handwerk von Grund auf. An der gefährdeten Grenze der nord­östlichen Provinz Valeria, in Aquincum, verblieb nur das Oberkommando des Heeres, das Zentrum der Zivilverwaltung verlegte man in eine weiter von dem Limes entfernte, geschütztere Gegend um die Mitte des 4. Jahrhunderts. Mit dieser Maßnahme trug die Administration lediglich einer schon entstandenen Situation Rechnung. Im Jahre 260 hatten die über die Grenzen ins Innere der Provinz vordringenden Germanen, Sarmaten und Roxolanen viele Städte und kleinere Siedlungen an ihrem Weg verwüstet, und eines ihrer Angriffsziele war Aquincum. Der immer stärker auf der nörd­lichen Reichsgrenze lastende Druck veranlasste die Führung des Imperiums, die Provinz Dakien 271, nach kaum eineinhalb Jahrhunderten römi­scher Oberhoheit, auch offiziell aufzugeben. Von da an war der Limesabschnitt von Aquincum den Angriffen der mit der ersten Völkerwanderungs­welle eintreffenden ethnischen Gruppen unmittel­bar ausgesetzt. Als man das zivile Verwaltungszentrum teil­weise ins Hinterland der Grenze verlegte, war dies eigentlich ein Eingeständnis der Regierung, daß sie die zivilen Liefertransporte nicht mehr für sicher hielt. Als Folge der für den Zeitraum typischen Zentralisierungsbestrebungen veränderte sich die Struktur der kleinen und mittelständi­schen Unternehmen, die von da an im Auftrag des Staates arbeiteten. Auch diesem Umstand ist es zu verdanken, daß sich in der ersten Hälf­te des 4. Jahrhunderts, entgegen der ständigen Gefährdung Aquincums, nicht nur im Territorium der Stadt, sondern auch im Inneren von Panno­nién, Anzeichen eines bedeutenden Aufschwungs zeigten. Nach den von den Barbarenangriffen ver­ursachten Störungen kehrte im Verkehr auf den Diagonalstraßen (den Verkehrsverbindungen Sopi­anae-Savaria, Poetovio-Aquincum, Savaria-Aquin­cum) wieder Ordnung ein. Die in diesem Zeitraum schon ziemlich hete­rogene, häufig aus fernen, östlichen Provinzen stammende Bevölkerung Aquincums musste also auch am Beginn des 4. Jahrhunderts nicht auf die gewohnten, meist Luxusansprüchen genügen­den Warenartikel verzichten. In der Abwicklung des Handelsverkehrs übernimmt erneut Aquileia eine führende Rolle (BUORA 2001, 19-21). Auf dem Weg über Aquileia gelangen Ol und Wein, Südfrüchte (Feigen, Datteln), Textilien (Seide) und Kork aus Italien, Kleinasien und Afrika nach Aquincum. Einen Teil der aufgezählten Produkte fanden wir in den in Aquincum freigelegten sog. Mumiengräbern tatsächlich vor (PÓCZY 1998/3). Die Mumifizierung der Toten war in den nörd­lichen Provinzen ein selten geübter Bestattungs­brauch, der von Ägypten abgesehen nur noch aus einigen Hafenstädten am Pontus sowie aus Rom selbst bekannt ist. In Aquincum kamen an den Abb. 18. Glasskyphos aus östlichem Import aus dem Westgräberfeld der Militärstadt Abb. 19. Figürliches Gagatmedaillon mit Goldfassung, Westgräberfeld der Militärstadt

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