Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

Das Wirtschaftsleben von Aquincum kennzeich­nete in diesem Zeitraum der nahezu ausschließ­lich höhere Ansprüche befriedigende Import von speziellen landwirtschaftlichen Gütern, die Einfuhr von Obst oder Luxusartikeln. Neben dem Zurück­drängen der bisherigen Handelsbeziehungen aus Westen und Süden erstarkte der Handel mit dem Orient, und gleichzeitig tauchten an den Produk­ten der lokalen Industrie bzw. des Handwerks orientalische Einflüsse auf. Für die östlichen Han­delskontakte nahm man vorrangig die Donau in Anspruch. Eine bestimmte Schicht der Bevölkerung verstand sich damals schon auf das Abwickeln von Handels- und Finanzgeschäften und war in den für die Unternehmen geltenden ökonomischen und juristischen Regeln bewandert. Ein mit sol­chen Finanzgeschäften befasster Bänker ist Corin­thus nummularius gewesen, 21 der in Aquincum zu Ehren des Silvanus einen Altarstein stiftete (CIL III 3500). In der Zivilstadt von Aquincum, die zu der Zeit schon den Rang einer colonia inne­hatte, konnte mit Hilfe eines dort ans Tageslicht gelangten bronzenen Prägestocks eine kurzzeitig, zwischen 209 und 219, betriebene Münzstätte rekonstruiert werden (PÓCZY 1991/1). Nach den Markomannenkriegen, zum Teil als Folge davon, wurden auch die Handelsbeziehun­gen zwischen Imperium und Barbaricum reger und regelmäßiger. Durch die Untersuchung der im Barbaricum gefundenen Terra Sigillata-Gefäße hat sich bestätigt, daß die Straße Aquincum-Poro­lissum eine der Hauptrouten dieses Transithandels war. Aquincum fiel in der Weiterleitung der in erster Linie aus den westlichen Provinzen stam­menden Waren, hauptsächlich der Terra Sigillata, eine wichtige Rolle zu (GABLER - VADAY 1986, 45-47). Die Einwohner von Aquincum standen mit den Barbarenvölkern vom gegenüberliegenden Donauufer zudem in tagtäglicher Handelsbezie­hung. Hier befand sich eine der festgelegten am Donaulimes, die zum Schauplatz der unmittelbaren römisch-barischen Handelskontakte werden konn­21 Zu seiner lehrreichen Karriere s. Gy. Ürögdi, A banké­let nyoma Aquincumban [Eine Spur des Banklebens in Aquincum]. BudRég 21 (1964) 240-245; Gods, Soldiers 1995, 31. te. Ein im südwestlichen Teil der Militärstadt von Aquincum freigelegtes großes öffentliches Gebäude hält die Forschung heute für ein Marktgebäude (PÓCZY 1983/1, 256, 258-259; ZSIDI 1999/6, 868). Im Zeitraum nach den Markomannenkrie­gen begannen sich auch die im Territorium der Stadt ausgebauten Villengüter zu entfalten. 22 Führender Zweig des lokalen Handwerks blieb weiterhin die Keramikherstellung - damals schon nicht mehr Qualitäts-, sondern überwiegend nur noch Massenproduktion. Auf den Import leicht zugänglicher Luxusartikel reagierte das lokale Handwerk mit Vereinfachung. Die größeren Werk­stätten der früheren Zei wurden entweder aufge­geben (Manufaktur Gasfabrik), oder arbeiteten auf engerem Gebiet bzw. mit eingeschränkter Warenpa­lette weiter. Anstelle der anspruchsvolleren Keramik ging man zur Herstellung einfacher, aber qualitativ guter Gefäße über. Das typische lokale Fabrikat des Zeitalters, die Glanztonware (BÓNIS 1993), entstand in einer südlich der Zivilstadt tätigen Töp­ferwerkstatt (sog. Werkstatt beim Gasthof Schütz). (Abb. 17.) Daneben wurden einfache Firmenlampen, immer häufiger ohne Markenzeichen, sowie Bauke­ramik produziert. Die Fehlprodukte der örtlichen Glasindustrie sind nicht selten als Beigaben in den Gräbern des 3. Jahrhunderts anzutreffen. 23 Im gleichen Zeitraum waren vermutlich die über großes handwerkliches Können verfügenden wan­dernden Bronzegießer, die das lokale Metallhand­werk stark beeinflusst haben, in Aquincum tätig. Die Forschung hält den zu einer Paraderüstung gehörenden Brustpanzer aus Aquincum neuer­dings für die lokale Arbeit eines aus dem Osten (Syrien) eingewanderten Bronzegießers. 24 Die auf 22 Zu deren Wirtschaftstätigkeit s. den Abschnitt „Territorium des Municipiums - Villen und Dörfer" (5.5.3.). 23 Z. B. nördliches Gräberfeld der Militärstadt (Kaszás dűlő­Raktárrét), Grab 281.: P. Zsidi, A Kaszás dűlő-raktárréti temető elemzése [Analyse des Gräberfeldes Kaszás dűlő­Raktárrét]. Dissertation am Lehrstuhl für Archäologie der ELTE. Budapest 1984. Manuskript. 24 H. Wümbach, Ein Paradeschildbuckel aus Brigetio. Akten des XI. Internationalen Limeskongresses 1976 in Székes­fehérvár. Budapest 1977, 203-204; J. Garbsch, Verschluß­sache: Panzer, Kettenhemden und kimmerische Gewänder. Bayerische Vorgeschichtsblätter 65 (2000) 113.

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