Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.5 Nutzung der zur Siedlung gehörenden Gebiete - 5.5.2. Die Frage des „militärischen Territoriums" (Paula Zsidi)
laufenden Straße, bereits die ersten Bestattungen mit Grabgärten in geschlossen Reihen anzulegen begann (HABLE 2002, 270). In dieser Periode befand sich im Vorraum des Amphitheaters eine ausgedehnte Töpfersiedlung (VAMOS 2003). Ihren Platz nahm später ebenfalls ein Gräberfeld ein, dessen Gräber die von den Bestattungen am Straßenrand weiter entfernte Parzelle einnahmen (HABLE 1996, 33-39). Ab dem 3. Jahrhundert ging die Dichte der zu beiden Seite der — als eine Art „Gräberstraße" fungierenden - Straße am Hügelabhang gelegenen Bestattungen zurück. Im 4. Jahrhhundert kam es nur noch sporadisch zu Bestattungen, und an der Stelle der aufgegebenen Parzellen sowie in deren weiterem Umkreis begegnet man erneut Spuren handwerklicher Tätigkeit (Kalkbrennen: HABLE 2001, 23-24; Ziegelherstellung: FACSÁDY 1997, 14-17). Die Nutzung des Gebiets zwischen den östlichen Bestattungen der Gräber straße und der Limesstraße wirft mehrere Fragen auf. Nicht eindeutig sind vorerst Datierung, Charakter und Funktion der beidseitig des Grabens ans Tageslicht gelangten Pfostenkonstruktionen (Getreidespeicher oder Straßenfundament: HABLE 1995, 28-29; HABLE 2002, 271) sowie der südlich davon dokumentierten Steingebäude (HABLE 2002, 271.). Ein im südlichen Teil aufgedecktes größeres Steingebäude mit steingerahmtem Eingang und Schwellenstein, das man auch im Mittelalter benutzt hat, unterstreicht die Bedeutung des Gebiets im spätrömischen Zeitalter (FACSÁDY 1996, 20-21). Über die Bebauung der östlichen Seite der Limesstraße stehen nur wenig neue Angaben zur Verfügung, da sich die Ausgrabungen hier auf ein relativ kleines Areal erstreckt haben. Die Ergebnisse der früher durchgeführten Grabungen bekräftigten den militärischen Charakter des Gebiets (T. NAGY 1973, 120; FACSÁDY 1996, 14-16). In dessen nördlichem Teil waren bei den Forschungen der zurückliegenden Periode in der Nähe des Amphitheaters kontinuierliche Spuren der Bebauung vom 1. bis ans Ende des 3. Jahrhunderts zu beobachten. Die Stelle zurückgearbeiteter Mauerreste nahm ein bis zum Anfang des 5. Jahrhunderts belegtes Gräberfeld ein (MADARASSY In: Christentum 2000, 41-43; HABLE 2003). Wesentlich im Hinblick auf den Rechtsstatus des Gebiets könnte die Vermutung sein, derzufolge die früher als „Statthalter-Villa" gedeuteten Denkmäler (T. NAGY 1973, 120, Abb. 56) in Wirklichkeit „zu dem an den Kaiserkult anknüpfenden Bezirk des Jupiter-Teutanus-Heiligtums gehört haben" (POCZY 1999, 201-207). Besagte Gebäudereste kamen an einem erhöhten Punkt des Hügelabhangs im westlichen TeÜ des Gebiets zum Vorschein. Zweifellos dürften die in solcher Nähe zu dem Gebiet gefundenen Denkmäler (Altäre, Wehinschriften, lebensgroße Marmorskulptur eines Mannes in Prunkrüstung: PETŐ 1984/2, 269-272) nicht ausschließlich auf dessen militärisch-strategische, sondern auch religiöse Bedeutung hinweisen. 5 Paula Zsidi 5 Dennoch haben die auch gegenwärtig laufenden Ausgrabungen in dem Gebiet, teilweise in Folge der beträchtlichen neuzeitlichen Störungen, bislang keine weiteren Reste des heiligen Bezirkes zu Tage gefördert (FACSÁDY 2002/2).