Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.5 Nutzung der zur Siedlung gehörenden Gebiete - 5.5.1. Die Gräberfelder von Aquincum (Judit Topál)
entdeckte spätrömische Friedhof mit 116 Gräbern, dessen späteste Gruppe vom Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr. stammt, 36 läßt sich mit keinem der städtischen Gräberfelder Aquincums in Verbindung bringen (ZSIDI 1987). Dieser Friedhof dürfte zu einer dörflichen Siedlung gehört haben, die an einer der vom Limes ins Innere der Provinz führenden Straßen lag. Die hier beobachteten Bestattungsbräuche und das ans Tageslicht gelangte Fundmaterial dienen als Beweise für das Zusammenleben der provinzialrömischen Einwohnerschaft und der starke barbarische Züge tragenden Bevölkerung der foederati. Zusammenfassung Auf Grund der Grabungsbeobachtungen der letzten Jahrzehnte läßt sich sagen, daß man vermutlich parallel zum Ausbau der städtischen Verwaltung jene Gebiete im Territorium des Municipiums kennzeichnete, die Bestattungszwecken dienen sollten. Diese wurden entweder von den Bewohnern eines Stadtviertels (insula) oder von einer geschlosseneren ethnischen Gemeinschaft (syrischer, kleinasiatischer etc. Herkunft) oder sogar von den Mitgliedern eines Bestattungsvereins (collegia funeratica, collegium fabrum et centonariorum etc.) benutzt. Oftmals umgab man diese Parzellen, um ihren geschlossenen Charakter hervorzuheben, mit einer niedrigen Steinmauer. An einer in der Mauer eingelassenen Tafel waren die Namen dort Ruhenden - ob reich, ob arm - verewigt. Diese Grabummauerungen und die einzelnen Grabstätten wurden häufig besucht, nicht nur anlässlich offizieller Feiertage, und bei dieser Gelegenheit auch Speise- und Trankopfer dargebracht. Die zwischen den einzelnen Gräbern ausgebauten gepflasterten Wege, die auf den Steinplatten am Eingang der ummauerten Familiengräber (area maceriae cincta) gefundenen Speisereste und Lampen (lux aeterna, das ewige Licht), die (zum Zwecke der profusio) in die Grabgrube geleitete, aus Deckziegeln (imbrices) bestehende „Speisezuführung" oder die im Friedhof ausgebaute Wasserleitung, dies alles sind Beweise eines intensiven Totenkults. Mit Ausnahme von einigen oben erwähnten Begräbnisstätten, die man im spätrömischen Zeitalter an der Stelle früher bewohnter Gebiete anlegte, ist die Kontinuität der großen städtischen Gräberfelder Aquincums im 6.-7. Jahrhundert nicht nachzuweisen. 37 Die hier verbliebene Einwohnerschaft verschmolz nach Aufgabe des Grenzgebiets an der Donau (limes Romanus) mit den aus dem Barbaricum einströmenden ethnischen Gruppen der Ostgermanen, Hunnen, Alanen und Donausueben. Judit Topái Nach Meinung des Ausgräbers könnte der Friedhof sogar den Anfang des 6. Jahrhunderts erlebt haben (ZSIDI 1987, 72). S. noch den Abschnitt „Zur Frage des Kontinuitäts in Aquincum" (4.3.).