Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.5 Nutzung der zur Siedlung gehörenden Gebiete - 5.5.2. Die Frage des „militärischen Territoriums" (Paula Zsidi)
5.5.2. DIE FRAGE DES „MILITÄRISCHEN TERRITORIUMS" Unter den in den letzten Jahrzehnten in Aquincum durchgeführten topographischen Forschungen verdienen besonders jene Ausgrabungen Aufmerksamkeit, die nördlich des einzugrenzenden Territoriums der Militär Stadt, in dem bis zur Zivilstadt reichenden sowie im südlich der Militärstadt gelegenen Gebiet erfolgten. Von der früheren Forschung wurden diese Gebietsteile als unbebaut angesehen und in den topographischen Zusammenfassungen oft gar nicht erwähnt. In der Fachliteratur erschienen sie meist nur als für die städtischen Gräberfelder gekennzeichnete Zonen (L. NAGY 1942/1, 469; T. NAGY 1973, 117, 119). Die neuen Forschungen dagegen brachten zahlreiche neue Befunde im Hinblick auf die Nutzung der besagten Gebiete an den Tag (PÓCZY 1984/ 1, 20; FACSÁDY 1996, ZSIDI 1997/1, 281-282; HABLE 2002, 267-278), was zugleich die Frage der Funktion bzw. des Rechtsstatus dieser Gebiete aufwarf (KOVÁCS 2000/1, 46-47). In der Römerzeit ist für die besagten Gebiete von Aquincum der Wechsel zwischen Bestattungs- und wirtschaftlicher Funktion charakteristisch. Im Lichte der neuen Informationen scheint es gegenwärtig, als hätte auch ein Zusammenhang zwischen den von Zeit zu Zeit erfolgenden Funktionsänderungen und dem veränderten Rechtsstatus der Gebiete bestanden. Zusammenfassungen des Themas für den niederpannonischen Limes trugen wesentlich zur Bewertung der Verhältnisse in Aquincum bei (MÓCSY 1980, 370-373; KOVÁCS 1996-1997, KOVÁCS 1999/1, 105-119; KOVÁCS 2000/1, 39-56; KOVÁCS 2000/3). Gebietsnutzung zwischen Militärstadt und Zivilstadt (Abb. 1.) In dem Gebiet zwischen der Militär- und Zivilstadt deuteten im früheren Zeitraum ein Teil des sog. Gräberfeldes Kaszásdűlő-Raktárrét, einige längs der südlich der Stadtmauer verlaufenden Straße sporadisch ans Tageslicht gelangte Gräber sowie die ebenfalls von hier stammenden Reste einer Töpferwerkstatt aus dem 3. Jahrhundert auf die Nutzung dieses Gebietes hin (T. NAGY 1973, 117, 119, 122). Bei den seither durchgeführten Forschungen kamen in dem Gebietsteil nahe der Militärstadt ein frühes Militärobjekt, der Rest eines Bades (ZSIDI 2001/3, ZSIDI 2002/2), auf der östlichen Seite der die Zivü- mit der Militär Stadt verbindenden Straße ein weiterer Gräberfeldteil (ZSIDI 1997[1998]), ebenfalls hier ein Teil einer größeren Wehranlage (ZSIDI 1995/2, 41-42), am Bett des Aranyhegyi-Baches Reste eines Brückenpfeilers (PÓCZY 1984/1, 20) sowie am Donauufer ein die Verbindung zur gegenüberliegenden Insel herstellender Brückenkopf (ZSIDI 1999/2) zu Tage. Im Gebietsteil nahe der Zivilstadt dagegen fand man über frühen, Wehranlagen ähnelnden Objekten einen zusammenhängenden Gräberfeldteil mit Brandbestattungen, zu einem Handwerkerviertel gehörende Bebauung und schließlich zur spätesten Periode der Zivilstadt gehörende Gräber vor (ZSIDI 2002/4). Betrachtet man diese Veränderungen in chronologischer Reihenfolge, sind die frühesten Spuren in beiden Teilen des untersuchten Gebiets militärischer Prägung. Danach, an der Wende 1.-2. Jahrhundert, wurde zunächst das Gräberfeld im Gebiet nahe der Müitärstadt angelegt, dem das Brandgräberfeld des nördlichen