Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.5 Nutzung der zur Siedlung gehörenden Gebiete - 5.5.1. Die Gräberfelder von Aquincum (Judit Topál)
5.5.1. DIE GRABERFELDER VON AQUINCUM Schon mit der Herausbildung des Verwaltungssystems im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde die Bestattungsordnung der italischen Städte behördlich geregelt. 1 Dasselbe bezog sich im allgemeinen auch auf die Begräbnistätten am Rande der Siedlungen in den Provinzen, selbst wenn man die vorgeschriebenen 500-600 m Abstand von den Stadtmauern nicht immer einhielt. Bei römischen Siedlungen, wo wegen der mehrschichtigen Bebauung nicht alle Bauperioden zuverlässig geklärt werden können, sind die Bestattungen besonders wichtig. Denn die den Toten mitgegebenen Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände oder die die Gräber kennzeichnenden - in außergewöhnlichen Glücksfällen in situ verbliebenen Steindenkmäler verraten etwas über das Geschlecht der Verstorbenen, ihr Alter, ihre gesellschaftliche Stellung und über den Zeitpunkt ihrer Bestattung. Da das Aufstellen von Grabsteinen mit Inschrift anerkannterweise ein Brauch mediterran-italischen Ursprungs ist, zeigt die relative Häufigkeit der in Aquincum gefundenen frühen (2. Hälfte des 1. Jahrhunderts), die Namen von Einheimischen überliefernden Grabinschriften 2 eine rasche Romanisierung der ÜTyrisch- keltischen (in unserem Gebiet hauptsächlich eraviskischen) Bevölkerung. 3 Obwohl die in Budapest im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einsetzende Bautätigkeit gewaltigen Ausmaßes in archäologischer Hinsicht große Verwüstungen angerichtet hat, lassen sich die zum 1 Vgl. Zwölftafelgesetz und Cicero, de leg. 2, 24, 61. 2 Zusammenfassend: MÓCSY 1959, MÓCSY 1983, MÓCSY 1985. 3 Z. B. Grabstein des Eburo Milio/nis f.: Lapid. Aq. Inv. Nr. 63. 10. 20 = KUZSINSZKY 1934, 176 = NÉMETH 1999/2, Nr. 13 oder Grabdenkmal der dakischen Familie Scorilo: CIL III 13379 = Lapid. Aq. Inv. Nr. 63.10.110 = NÉMETH 1999/2, Nr. 3 oder Grabstein des Namio: CIL III 15173 = Lapid. Aq. 64.10.183 = NÉMETH 1999/2, Nr. 16. Gebiet der römischen castra und canabae (Flórián tér und Umgebung) bzw. zur Zivilsiedlung (äußerer West- und Ostabschnitt der Szentendrei út) gehörenden Gräberfelder dennoch relativ gut voneinander trennen. 4 Die Forschung der letzten dreißig Jahre konnte in erster Linie auf dem Gebiet der Freilegung der großen städtischen Gräberfelder bedeutende Fortschritte verzeichnen. (Abb. 1.) Mehrere tausend Gräber kamen im westlichen (sog. Bécsi út, Budaújlak) bzw. nördlichen (sog. Filatorigát, Kaszásdűlő-Raktárrét) Gräberfeld der Militärstadt und im südlichen (sog. Benedek Elek utca, Szentendrei út) Gräberfeld der Zivilstadt zum Vorschein. Neuere Grabungen haben die Benutzungszeit der Friedhöfe von der Wende 1.-2. Jahrhundert bis ans Ende des 4. Jahrhunderts bestätigt. Im spätrömischen Zeitalter (3.-4. Jahrhundert) belegte Gräberfeldteile gibt es im östlichen Gräberfeld (sog. Gasfabrik) und im Vorfeld der südlichen Stadtmauer der Zivilstadt. Ein Teil der spätrömischen Friedhöfe der Militärstadt (Szőlő u. bzw. Vályog u.) wurde, dies haben die Forschungen der letzten Jahre bewiesen, nach der Römerzeit, im 5.-8. Jahrhundert, weiter benutzt (M. NAGY 1 1993, 360 ff., Fundliste 1, Karte 1; ZSIDI 1999/4, 585 ff). Die Gräberfelder der Militärstadt Das früheste Gräberfeld Aquincums, südlich des Legionslagers von Óbuda, entstand mit dem Militärlager der sog. Víziváros (WasserStadt) zu binden. Bei den Bauarbeiten um die Jahrhundertwen4 Zusammenfassend zuerst: HAMPEL 1891, J. A. Fehér, Budapest Székesfőváros temetőinek története [Geschichte der Friedhöfe der Residenzhauptstadt Budapest]. Budapest 1933, 13 ff.; L. NAGY 1942/1, 464 ff.; zuletzt: SZILÁGYI 1968, 90, 95; Aquincum 1997, 303 ff.