Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Ronke, Jutta: Eine Freiermord-Szene in Raetien? 223-234

Weinberg, bestätigen das Vorkommen mythologischer Themen in der Grabkunst der Provinzen. Generell müssen sie jedoch als Ausnahme gelten: Für die römis­chen Provinzen Germania inferior, superior, Gallia Belgica und Raetia gelang es, 77 Beispiele zusammen­zustellen. 56 Daß mythologische Themen überhaupt als nicht unbedingt geeignet für die breite Masse der Bevölkerung erachtet wurden, bestätigt z. B. der Satiriker Petron, der in seiner Cena Trimalchionis die mythologische Halbbildung bestimmter römischer Schichten (hier das reiche Freigelassenen-Milieu) mehrfach glossiert, darunter auch ... "wie er als Junge immer bei Homer gelesen habe'..." "die Geschichte von Odysseus, wie ihm der Zyklop mit einer Zange den Daumen ausgedreht hat?" 57 Opfer einer derartigen Fehlinterpretation ist der Besteller des Weinberger Reliefs offenkundig nicht geworden. Die durch ihre Nacktheit gekennzeich­neten, 58 getöteten oder im Todeskampf liegenden Freier, deren einer sich in der Agonie bemüht, den tod­bringenden Pfeil aus der Wunde zu ziehen, dazu das Diener-Duo -speziell der mit Exomis und pilosartiger Kappe Bekleidete, sich hinter einem Schemel Verschanzende- sowie die Tatsache, daß der Schauplatz des Weinberger Geschehens in einen * Verwendet wurden die in den "Richtlinien für Veröffentlichungen zur Ur-, Vor- und Frühgeschichte, Archäologie der Römischen Provinzen und Archäologie des Mittelalters." (BRGK 71. 1990. 976ff. bzw. 73. 1992.) verzeichneten Abkürzungen und Sigeln. 1. Zu diesem Topos in der Literatur: W. Splettstösser, Der heimkehrende Gatte und sein Weib in der Weltliteratur (Berlin 1899); H. Röttger, Das Motiv: Der heimkehrende Gatte und sein Weib in der deutschen Literatur seit 1890. Phil. Diss. (Bonn 1934); vgl. auch I. Merkel, Eine ganz gewöhnliche Ehe. Odysseus und Penelope. 12. Aufl. (Frankfurt 1999) (modern pointierte, mitunter etwas bemüht wirkende Nacherzählung der Odyssee in Romanform). 2. Zuletzt: The Odyssey and Ancient Art. An epic in word and image. Ausst.kat. Annandale-on-Hudson (New York 1992) 168-175 (D. Buitron, B. Cohen, The slaughter of the suitors); LIMC VI (Zürich 1992) 630-634 s.v. Mnesteres II (O. Touchefeu-Meynier) bzw. vor allem A. Pasquier, Il massacro dei pretenden­ti. Ulisse - il mito e la memoria. Ausst.kat. Rom (Roma 1996) 396-432 (Katalog der im Jahre 1996 von und für Bernard Andreae veranstalteten Odysseus-Ausstellung im römischen Palazzo delle Esposizioni); vgl. jetzt auch dessen anläßlich der Übernahme der römischen Ausstellung in das Haus der Kunst, München, in Bilderbuchform popularisierte deutsche Fassung: B. Andreae, Odysseus. Mythos und Erinnerung. Ausst.kat. München 1999 (Mainz 1999); speziell ders., Der Freiermord (m. e. Beitr. von M. P. Baglione u. A. Pasquier), ebd. 365-379. Innenraum verlagert worden ist, 59 erlauben den Schluß auf die Interpretation der Darstellung als Freiermord-Szene. Im Titel und die als formulierte Frage läßt sich demnach ohne Vorbehalt bejahen. Es ist anzunehmen, daß sie mit weiteren Szenen, vielleicht sogar mit weiteren rund um das Ende der Odyssee, kombiniert war. Als abschließendes Résumée mag die Überlegung gestattet sein, daß es sich jedenfalls um ein Grabdenkmal gehandelt hat, das seinerzeit in lokalem bzw. regionalem Rahmen nicht unbeachtet geblieben sein dürfte - eine Bewertung, die sich zum gegenwär­tigen Zeitpunkt angesichts des herrschenden Kenntnisstandes der einschlägigen Überlieferungslage ungebrochen, ja sogar in potenzierter Form auf das in der kleinen Sakristei vermauerte Fragment übertragen läßt. Nichts eingebüßt an beeindruckender Aktualität und unverändert gültigem Aussageinhalt haben außer­dem auch die bedauernden, bemerkenswert modern anmutenden Worte F. v. Mulzers "Schade, daß diese Alterthumsreste nicht an dem eigentlichen Fundorte aufbewahrt worden sind, wo sie vielleicht den Leitfaden zu weiteren Forschungen gegeben haben würde." 60 3. Ulysse - il mito e la memoria (hier Anm. 2) 396-432. 4. Vgl. z.B. CSIR Deutschland II Raetia (Bayern südlich des Limes) und Noricum (Chiemseegebiet) (Bonn 1973) 113 Nr. 498 Taf. 141 (m. Zustellung älterer Lit- Wichtig darüber hinaus - weil mit für seine Zeit brillanter, großformatiger Abbildung: A. Eckardt [Bearb.], Die Kunstdenkmäler von Niederbayern 10. Bezirksamt Pfarrkirchen. Die Kunstdenkmäler von Bayern. IV 10 [München 1923] 269f. Fig. 210 [unveränd. Nachdr.: München 2000]); zuletzt G. Moosbauer, Die ländliche Besiedlung im östlichen Raetien während der römischen Kaiserzeit. Passauer Universitätschr. Archäologie 4 (Espelkamp 1997) 303f. Nr. 84.- An einschlägiger Ortsliteratur sei nur genannt: A. Hochholzer, E. Eder, Pfarrkirchen, eine niederbay­erische Kreisstadt (Pfarrkirchen 1987); E. Neuhofer, Aus der Geschichte des Ortes Dietersburg (o. O. 1988); G. Baumgartner (Hrsg.), Kunsführer, Kunst u. Kultur, Landkreis Rottal-Inn. 2 Auf. (Rőttel 1992) 246 (m. Abb.) (frdl. Hinw. L. Limbrunner) An dieser Stelle sei G. Moosbauer für die Überlassung einer den Untersuchungseinstieg erleichternden Arbeitsaufnahme und S. Arnold für die diesbezügliche freundliche Vermittlung herzlich gedankt.- Dankbar verbunden weiß ich mich St. Böhm und M. Söldner für Lektüre und Diskussion einer Vorform des Manuskripts. 5. Mit ihrer lockeren Streuung von Kleinsiedlungen und Einödhöfen zeigt die Landschaft übrigens ein typisches siedlungsgeographisches Muster des mittleren Rott-Hügellandes: M. Brix (Bearb.), Bayern II. Niederbayern. Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (München 1988). ANMERKUNGEN 227

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