Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Ronke, Jutta: Eine Freiermord-Szene in Raetien? 223-234

bereits getöteter Freier; denen das Bankett-Zubehör aus den Händen geglitten ist; - Getroffene, die bemüht sind, sich die Pfeile aus den Wunden zu ziehen; - die Tatsache, daß der Ort des Geschehens als Raum- oder Hausinneres gekennzeichnet ist; - die Angabe des Urhebers und bogenschießenden Ausführenden selbst, Odysseus (im Idealfall); IV. FOLGERUNGEN FÜR DAS RELIEF WEINBERG Duchmustert man das Spektrum der für die Freiermordszene charakteristischen Kriterien, finden sich drei entsprechende ikonographische Vorausset­zungen auch beim Relief Weinberg: - übereinandergestürzte Getötete; - tödlich Verletzte, die sich den Pfeil aus der Wunde zu ziehen suchen; - architektonische Details (Angabe von Decken­balken bzw. Wänden), die einen Innenraum evozieren. Damit sind drei der fünf für eine Freiermordszene unabdingbar erforderlichen Kriterien erfüllt. Dem­gegenüber bleibt feststellen, daß die Angabe der Bankett-Klinen und der auf ihnen Gelagerten fehlt, vor allem jedoch die des bogenschießenden Protagonisten. Dieser ikonographisch ungewöhnliche Zug mag primär auf die provinzielle Entstehung des Reliefs zurückzuführen sein, braucht aber ansonsten nicht weiter zu verwundern, da der rächend agierende Odysseus ohnehin selten wiedergegeben ist. 43 Entsprechend dieser Gesetzmäßigkeit ist wohl davon auszugehen, daß auch bei den erhaltenen Partien des Weinberger Reliefs lediglich die anschaulich-lebendi­ge Wiedergabe der Freier -und speziell der Dienerfiguren ihres Gefolges- intendiert war. H. Wolff postulierte "die einstige Zugehörigkeit zu einem großen Grabmal." 44 Dieser Zuweisung wird man angesichts der mutmaßlichen Fundsituation in der Nähe einer Römerstraße nicht widersprechen wollen. 45 Überhaupt begegnen Odyssee-Szenen hauptsächlich im Bereich der Sepulkralkunst. Freiermord-Szenen, soweit überhaupt dargestellt, lassen sich dabei vorzugsweise auf Nebenseiten von Sarkophagen beobachten. 46 Die Freiermord-Szene gehört, wie zahlreiche andere Odyssee-Szenen, die mitunter auch nur sin­gular vertreten sein können, zu den Darstellungen, die den Bereich der Todesüberwindung bzw. der Virtus des Verstorbenen thematisieren: Der siegreiche Odysseus als Überwinder aller Schwierig- und Widrigkeiten triumphiert bei der Ausführung seiner Handlungen. 47 Eingedenk der Praemisse, daß das hier vorgestellte Relief Weinberg -wie viele der mythologischen Szenen aus sepulkralem Kontext- tatsächlich von einem größeren Grabbau stammt, läßt sich naturgemäß über dessen Aussehen nichts aussagen. Denkbar wären z.B. ein Pfeilergrabmal, 48 ein Grabmal der Mauso­leumsgrundform, ein Nischengrabmal oder eine mon­umentalisierte Nischenstele - in Betracht zu ziehen ist also die gesamte Bandbreite römischer Grabbauten. 49 Soweit überhaupt möglich, legt eine stilistische Betrachtung des Weinberger Reliefs nahe, daß es nach dem antoninischen Stilwandel in der 2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr. entstanden sein dürfte. 50 Darauf weisen z.B. die gelängten Körper der Getöteten hin. Von dieser Figurenauffassung setzen sich die Figuren der sich Verteidigenden unmißverständlich ab. Diese Stilmerkmale lassen eine Entstehung des Reliefs am Anfang des 3. Jh. n. Chr. naheliegend erscheinen. Wie L. Hahl feststellte, werden in dieser Zeit die langgestreckt-schlanken Körper von gedrungenen, teilweise untersetzten ersetzt und weichen einer wieder ausgeprägteren Körperlichkeit. 51 Ein Miteinander von überlängt-schlanken mit entsprechend gedrungen­stämmigen Figuren begegnet z.B. beim Viergötterstein der inschriftlich auf den 28. 2. 221 n. Chr. datierten Iuppitergigantensäule aus Wiesbaden-Schierstein. 52 Bis heute diskutiert die Forschung kontrovers, auf welche Weise die Kenntnis der Darstellungen von Rom aus in entlegenere Gebiete der Provinzen gelangt sein könnte. In Anbetracht der Tatsache, daß sich hier wie dort in Gesamtkomposition und Details ähnlich gestaltete Reliefs fanden, ist jedenfalls von einer - wie auch immer gearteten - Übermittlung auszugehen. Möglicherweise haben toreutische Werke oder andere kleinformatige Stücke wie Lampen und Gemmen die Übermittlung der Mythen in die Provinzen übernom­men. Vielleicht wurden von Tafelgeschirr aus Edelmetall Gipsabgüsse gefertigt, die verbreitet und in verschiedenen Medien nachgearbeitet wurden. Denkbar ist weiter, daß die Bildhauer in der Provinz mit Hilfe von Reliefkeramik Kenntnis von der Darstellung der Mythen erhielten. Einige Episoden aus der Odyssee lassen sich in entsprechenden kleinfor­matigen Werken (arretinische Keramik, terra sigilla­ta-Reliefkeramik, Lampen, Tonappliken, Gemmen) belegen. 53 Aus dem solchermaßen gesicherten Repertoire konnten die Besteller in Absprache mit den Handwerkern ihnen zusagende Szenen auswählen­Da die Steinmetze die Werke nicht genau kopieren konnten - es vielleicht auch nicht wollten-, lassen sich Abweichungen im Detail und zum Teil auftretende Unverständlichkeiten der Darstellungen erklären. In einzelnen Handwerksbetrieben mag auch mit einer losen Sammlung von Vorlagezeichnungen zu rechnen gewesen sein. 54 Singularität der Darstellung, aber auch Größe des erhaltenen Paneels lassen sich mit dem bekanntermaßen in Stadt-Rom und den Provinzen verbreiteten Grabkult-Luxus gut in Einklang bringen. Zahlreiche Grabinschriften überliefern dabei in Zusammenhang mit der Errichtung und dem Unterhalt entstandene Kosten. L. Friedländer notierte seinerzeit für die Provinzen eine Spanne von 200 - 100.000 Sesterzen, innerhalb derer die Besteller unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen finanziellen Möglichkeiten gewählt haben dürften. 55 Auch Bildzeugnisse, unter ihnen das Relief 226

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