Budapest Régiségei 27. (1991)
TANULMÁNYOK - Sellye Ibolya: Római kori, áttört művű késtartó (Théka-veret) a Bécsi úti hamvasztásos temetőből 45-63
Fund der Bécsi Strasse eindeutig als Messerbehälter, da auch das Messer zum Vorschein kam. Der in Aquae Helveticae (Baden, Schweiz) tätige Bronzegiessmeister namens Gemellianus hat den Beschlägen den Namen „theca" gegeben, z.B. THECAMGEMELIAN (aus Niedergösgen) oder THECAMG. (ein Exemplar aus Äugst). Die inschriflichen oder mit Verzierung und Inschrift versehenen Beschläge, mehr oder weniger gleicher Form dienten als Behälter, d.h. Theken. (Siehe Abb. 4.) Es ist uns gelungen ein aus Aquincum ohne nähere Ortsangabe zum Vorschein gekommenes Schienenfragment (BTM, alte Inv. Nr. 575), aufgrund das im Limes Castellum von Faimingen zum Vorschein ge20 kommenen, gut erhaltenen Fund zu ergänzen. Ebenfalls an einer unbestimmten Stelle in Aquincum wurde ein Schienenfragment (BTM, alte Inv. Nr. 572) mit gleichem Muster wie beim obigen, doch in 21 abweichender Grösse gefunden. Im Römischen Reich finden wir Analogien der pannonischen Theken in grosser Zahl vor, z.B. in Nieder99 gösgen, diese letztere konnte vielleicht ein Halberzeugnis gewesen sein, der Gusszapfen ist erhalten geblieben; ferner aus der Umgebung von Basel, mit Pflanzenfaserresten bei dem einen Niet. Bloss Schienenfragmente kamen aus Mainz, Märstetten und Zugmentel zum Vorschein, deren Muster mit den bisherigen identisch sind. Aus Pisting in Rätien stammt ein vollständiger Beschlag, mit abweichendem Muster, allein der „LöffeP'-Teil ist mit den bisherigen iden9S tisch. Diese reiht L. Berger in seiner Abhandlung unter Typ I. ein, wohin auch mehrere Varianten gehören. Aus Pannonién möchte ich noch ein Fragment erwähnen und zwar aus der Gegend Ószőny-Brigetio (UngNatMus. Inv. Nr. 75.1890.23, Abb. 7. 3-^.) das kleiner als die bisherigen Theken ist (Breite: 27-28 mm, Höhe: 25 mm, Dicke 3 mm), doch mit ähnlicher Ausführung. Der peltaförmige „Löffel"-Teil ist zweiteilig, von der Schiene ist nur eine Ranke zurückgeblieben. Auch dieses Stück dürfte irgendein Beschlag gewesen sein, der die Varianten der Typen Berger II. 27 und III. zeigt, sich eng dem flach bearbeiteten durchbrochenen Material anschliesst und nicht der Theke. 28 Es gibt auch plastische Theken, z.B. in Önsingen (Germania Superior). Dieses halbfertige Exemplar weist einzigartig ausgeführte Motive auf. Es kann angenommen werden, dass es an Ort und Stelle und nicht in Baden in der Gemellianus-Werkstätte erzeugt worden ist, da es nicht üblich war Ausschussware weder zu verkaufen, noch irgendwohin zu liefern. Dieses Exemplar ohne Umrahmung ist einem fertig ausgearbeiteten Stück aus Aquincum ähnlich, das nächst der Cella Trichora in der Raktár Gasse in Óbuda gefunden wurde. Diesen plastisch durchbrochenen Stücken begegnen wir überall im Reich, so auch in Pannonién, sie gehörten beispielsweise zu Fibeln und sonstigen Kleidungsstücken oder zu Wagenbeschlägen und Pferdegeschirrgarnituren. L. Berger publizierte sämtliche bisher auffindbare Beschläge des Meisters Gemellianus, sowohl mit Inschriften, wie auch mit ornamentalen Motiven und stellte fest, dass diese aus der Werkstätte von Gemellianus, oder zumindest aus ihrem Produktenbereich hervorkommen. Es kann vielleicht angenommen werden, dass Stücke mit völlig identischer Verzierung und Grösse in derselben Werkstätte erzeugt worden •je ... . sind. Mit kleineren Variationen reiht L. Berger die Motive in drei Typen ein: es ist beachtenswert, dass die meisten Stücke zum Typ I. gehören und in Pannonién auch nur dieser Typ und dessen Varianten vorkommen. Es würde zu weit führen, den Motivschatz der Theken zu analysieren, ich möchte die Aufmerksamkeit dem Umstand zuwenden, dass sie von den übrigen durchbrochenen Bronzen differenziert werden können. Die Form bestimmt bereits die Verzierung, jedes Stück ist symmetrisch angeordnet. Um eine Beschädigung zu vermeiden, wurden sie aus mittelfeinen Linien mit flacher Ausführung herausgeschnitten. Auf der Verbreitungskarte von L. Berger kann gut beobachtet werden, dass die Theken hauptsächlich im Raum der Aquae Helveticae häufig sind, ausserdem kommen sie auch in den Kastellen des rheinländischen Limes, in Gallien, und sporadisch in Oberitalien sowie • 38 im Noncum vor. In Kenntnis der pannonischen Funde müssen wir nun den obigen Kreis auch auf Aquincum, Intercisa und Brigetio erstrecken und zwar unseren bisherigen Daten gemäss hinsichtlich der Typen ohne Inschrift. Aus Dazien kam auch ein fragmentarisches Exemplar von Napoca-Cluj zum Vorschein. (Mus. Cluj, Rumänien) Es ist kleiner als üblich, und sein Muster jenem der Bécsi Str. verwandt. Hier möchte ich bemerken, dass im Barbaricum zwischen Pannonién und Dazien bisher keine Theken mit durchbrochener Verzierung bekannt sind. Die Theken datiert L. Berger zwischen die zweite Hälfte des 2. und der ersten Hälfte des 3. Jhs, was er durch die Stilanalysen der durchbrochenen Beschläge unterstützt. Das Alter der Theke aus der Bécsi Str. stimmt — laut freundlicher Mitteilung von Judit Topái — aufgrund der übrigen Grabfunde mit dieser Datierung überein. Zusammenfassend: aus dem Grab in der Bécsi Strasse kam ein einzigartiger Fund, die Bestandteile einer Messerbehälter-Theke ans Tageslicht. Aufgrund der aus Äugst (Schweiz) stammenden, vollständig erhalten geblieben Theken (vgl. Abb. 4. 1-2.) ist es ge54