Budapest Régiségei 22. (1971)

TANULMÁNYOK - Gáboriné Csánk Vera: Az érdi középső-paleolit telep 9-50

nicht bekannt, doch lässt sich im voraus sagen, dass sie eine ganze Reihe von solchen Untersuchungs­möglichkeiten bieten, die durch die Zusammen­hänge des archäologischen und zoologischen Mate­rials zu neuartigen paläoethnographischen Beobach­tungen führen kann. Die stratigraphischen Verhältnisse des Fund­ortes wurden von P. Kriván aufgearbeitet. Das Material der Kulturschichten ist das Ver­witterungsprodukt des Kalksteines von lokalem Ur­sprung. Eine einzige Ausnahme bildet das am un­teren Teil der Schichtenreihe erhalten gebliebene rötlichbraune Waldbodenrest, — dieser legt die un­tere, älteste Grenze der stratigraphisch-chronolo­gischen Einreihung fest. Die mächtigeren Lössschich­ten liegen über den Kulturschichten und gehören in die jüngere Phase des Würm-Glazials. Die Kulturschichten zeigen von archäologischem Gesichtspunkt eine einzige, einheitliche Bildung, die kleineren Schwankungen des Tundraklimas kom­men jedoch in der Änderung des Prozentsatzes bei den Tierarten und dadurch unseres Ermessens nach, auch in der Steinindustrie zum Ausdruck. Im oberen Horizont der Kulturschicht erweiterte sich die Zahl der Tierarten, was wiederum weitere Schlüsse ge­stattet. Über die stratigraphische Periodisation kön­nen wir nur eine Skizze geben. Nach der ältesten, waldbildenden Klimaperiode folgte ein kühl-feuchter Klimaabschnitt mit schwachen subarktischen Klima­schwankungen.— Später wurde das Klima kälter und trockener. Über den Kulturschichten zeigen sich die weiteren Klimaperioden in konzentrierter Form. Bei der Mündung des Talkopfes fanden wir die Reste einer rötlichbraunen Lehmschicht unter der unteren Kulturschicht vor, — die eine Interglazial­zeit andeutet. Die Tundra der oberen, mächtigen Kulturschicht fällt auf eine kalte Klimaperiode, die das Maximum des Wurm 1 nicht übersteigt. Das Material der Kulturschicht ist von bräun­licher Farbe, von dunklerer Abstufung und sondert sich scharf von dem benachbarten, schichtigen Kalk­stein ab. Ohne dass uns hier zur Veröffentlichung der Situationspläne und des sonstigen Dokumenta­tionsmaterials eine Möglichkeit zur Verfügung stünde, — erhielten wir sehr ausführliche Beobach­tungen über die Lage der Knochenhügel, des Ab­falles, der Herde und der archäologischen Funde, — über die Aufteilung der Steinindustrie je nach Typen, den Charakter der kleineren und grösseren Wohn­siedlungen und ihr Verhältnis zueinander. Die Grabungsfläche betrug etwa 250 m 2 und erstreckte sich bis in eine Tiefe von 3—4 m. Bei der Erschliessung der einzelnen Gebiete entfaltete sich in Abschnitten von ungefähr 20 cm je ein stärkeres Wohnniveau. Diese Niveaus legten wir, die Gestal­tung der Oberfläche folgend, frei. Die mächtigere, obere Kulturschicht zerlegten wir auf fünf, sich un­tereinander befindliche Niveaus. Die untere, dünnere Siedlungsschicht behandelten wir als eine Einheit. Die Schichten der beiden Talköpfe können mit­einander gut in Parallele gestellt werden. Dennoch war im hinteren Sektor der kleineren Mulde die Ak­kumulation der Fauna von solchem Masse, weswe­gen anzunehmen ist, dass der Fundort eventuell keine Wohnstätte, sondern ein Fleischspeicher, eine natürliche, unbedeckte „Grube" war. Der Fundort kann demnach nicht nur waagerecht und senkrecht gegliedert werden, sondern auch in der Relation der beiden zusammengehörenden Mulden Gegenstand der Untersuchung sein. Das paläontologische Fundmaterial des Fund­ortes enthielt insgesamt 50 000 Tierknochenreste und Tierzähne, unter ihnen 15 000 bestimmbare Stücke. Die Faunaliste des Fundortes veröffentlichen wir auf Grund der Bestimmungen von M. Kretzoi auf der S. 17. des ungarischen Teils. Abgesehen von den Kleinsäugetieren weist das Material des Fundortes weitgehend einen künst­lichen Charakter auf: das Ergebnis der Jagd. Das zoologische Material ist demnach das Ergebnis der Auswahl des Menschen. Das Vorkommen des Höhlenbären dominiert — es beträgt durchschnitt­lich 90% —, was auf Fundorten im freien Gelände in der Mousterien-Kultur alleinstehend ist. Das paläontologische Material hat einen klaren Kaltsteppencharakter. In den oberen Horizonten lässt die Fauna: der Polarfuchs, der Steinbock, fer­ner das Vorkommen des Rentiers — wenn auch in geringer Menge — entschieden auf das Kälterwer­den des Klimas schliessen. Unter den Tierarten sind zwei auch von archäo­logischem Gesichtspunkt aus beachtenswert, — vielleicht als Erscheinen von zweierlei Spezialisie­rungen — : der Höhlenbär und das Pferd, deren Vor­kommen stratigraphisch mit dem Erscheinen des Nashorns parallel ist. Neben dem hohen Prozent­satz des Höhlenbären ist das Vorkommen dieser beiden Tiere mit sehr niedrigen Werten vertreten und bedeuten überhaupt nicht die Veränderung in der Grundlage der Jagd, höchstens die Erweiterung dieser. Charakteristisch ist das Vorkommen des Asinus hydruntinus, jedoch nur in den oberen Horizonten. In Kenntnis der bisherigen Faunawelt der Würmzeit gibt dies entschieden eine klimatische, ante quem­Zeitbestimmung. Das in den beiden Mulden freigelegte Fauna­material zeigt nicht nur quantitativ, sondern auch in der Zusammensetzung der Arten gewisse Ab­weichungen. Neben dem Höhlenbären kann das Vordringen des Pferdes und des Nashorns mit der Änderung des typologisch-statistischen Verhältnis­ses der Steinindustrie gut in Parallele gestellt werden. Das paläontologische Material gab ebenso zwei Anhaltspunkte, wie die stratigraphisch-petro­graphische Untersuchung. Es kann klar festgestellt werden, dass die Fauna der Siedlung einen Über­gang aus einer verhältnismässig milderen Periode in einen kalten Klimaabschnitt zeigt, d. h. sie ver­weistauf den Übergang der dem Wurm-Glazial vor­angehenden Klimaschwankungen des Altwürm. Aus den Herden kamen in auffallend grosser 44

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