Budapest Régiségei 21. (1964)
TANULMÁNYOK - Nagy Tibor: Perióduskutatások az aquincumi polgárváros területén 9-54
TIBOR NAGY ERFORSCHUNG DER PERIODEN IM ZENTRAL-GEBIETE DER ZIVILSTADT VON AQUINCUM Im Mittelpunkt der Zivilstadt von Aquincum wo der decumanus (D) und der cardo (C) die beiden Hauptverkehrsstrassen der Stadt sich kreuzen, steht das Gebäude (Abb. 1,3), welches im Schrifttum stets mit dem Namen „Basilika" bezeichnet wird. Die früheren, in den Jahren 1884 und 1896 durchgeführten Ausgrabungen erschlossen lediglich jene Räume des Gebäudes die auch nach dem, im 3. Jahrhundert erfolgten Umbau in Gebrauch standen (Abb. 2—3, 13). Die spärliche Dokumentation der damaligen Grabungen und ihre wortkargen Beschreibung 5 klärte weder die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes noch die einzelnen Bauperioden. Es kann daher kaum überraschen, dass die traditionelle Bezeichnung des Gebäudes als Basilica neuerdings immer häufiger in Zweifel gezogen wurde. Ausser dem einzigen grösseren Raum, der im Gebiet des Gebäudes nachgewiesen werden konnte (Abb. 3/3), sprach nämlich nichts für eine basilikale Verwendung des Gebäudes. Als 1961 die endgültige, denkmalpflegerische Regelung des Ruinenfeldes von Aquincum beschlossen wurde, war die Denkmalplanung durch die Unzulänglichkeit der früheren archäologischen Freilegungen und in geringem Masse dadurch, dass die damals bereits erschlossenen Mauerreste mittlerweile verfielen, die Fussbodenniveaus sich abwetzten bzw. auffüllten, vor fast unlösbare Aufgaben gestellt. Es wurde offenkundig, dass die Denkmalregelung, ohne einer neueren archäologischen Untersuchung des Gebietes der „Basilica" nich durchzuführbar sei. Die Ausgrabungen die zwischen dem 26. Juli und dem 15. September 1961 durchgeführt wurden, bezweckten eine Lösung des weiter oben gestreiften Problems. Die Ergebnisse dieser sind im vorliegenden Aufsatz kurz zusammengefasst. Es sei jedoch erwähnt, dass die archäologischen Forschungen noch nicht abgeschlossen sind und auch in folgenden Jahren fortgesetzt werden. Die Ausgrabung im Jahre 1961 konnte bereits feststellen, dass die im Fachschriftum ausgesprochene Ansicht, wonach an der Stelle der Zivilstadt von Aquincum vor der Römerherrschaft ein Dorf der Eravisker gestanden hätte, jeglicher archäologischen Grundlage entbehrt. Das Zentrum der späteren Zivilstadt, der Bereich der „Basilica", war sowohl im 1. Jahrhundert vor u. Z. als auch zur Zeit der julisch-claudischen Dynastie ein unbewohntes Gelände. Erst im letzten Drittel des 1. Jahrhunderts u. Z., zur Flavierzeit bevölkerte sich dieses Gebiet. Im Gelände der Basilika ist der älteste Siedlungshorizont (Periode I) von den in der gewachsenen Erde eingetieften Siedlungsresten der Flavierzeit vertreten. Im SO-Teil der späteren Basilika war im letzten Drittel des 1. Jahrhunderts, wahrscheinlich bereits seit der Regierungszeit des Vespasians, eine Gerberwerkstätte in Betrieb (Abb. 4, mit x bezeichnete Siedlungsreste ; Abb. 7, 19/1). Nördlicher war das Gebiet in den rohen Lehm vertiefte Wohngruben, Vorratsgruben und Müllgruben besetzt (Abb. 4, y, ö,s,rj; Abb. 31—32, 37—38). Es sind die Reste jener armseligen, in der Art der Eingeborenen gebauten Siedlung, die in den schriftlichen Quellen der Domitian-Trajanzeit unter dem Namen vicus Acincum erwähnt ist. 154 Möglicherweise ging ein Teil der Siedelung der Eingeborenen am Ende des 1. Jahrhunderts, zur Zeit der Donaukriege, die unter dem Kaiser von Domitian geführt worden sind, zugrunde. Am Grund der Ausfüllung, welche die aufgelassene Gerberwerkstätte bedeckte, kam ein archäologisches Fundmaterial (mit a bezeichnete Siedlungsreste) zum Vorschein, welches nämlich nicht das Ende des 1. Jahrhunderts überschreitet (Abb. 46, 10, 12, 9/7—9). Das übrige Material der bisher nur zum Teil freigelegten, in der gewachsenen Erde eingetieften Siedlungsreste stammt ebenfalls noch aus der Zeit vor Trajan-Hadrian (Abb. 45/2, 3, 6). Zur Wende des 1—2. Jahrhunderts wurde die Gerberwerkstätte bis zur Oberfläche aufgefüllt und planiert. An ihre Stelle errichtete man ein kleineres Gebäude mit Steingrundmauerung und am aufgehenden Mauerwerk mit Lehmziegeln (Periode II). Dieses kleine, aus Lehmziegeln erbaute Gebäude bestand, wie es vom hinzugehörenden Fundmaterial bezeugt wird, nicht länger als ein-zwei Jahrzehnte. Die kurz befristete Periode IL vermochte man bislang nur an der Stelle der Gerberwerkstätte abzusondern. In den übrigen untersuchten Gelände begegneten wir bisher nur dem Material dreier Perioden (L, III., IV.). Zur Zeit Hadrians, als der vicus Aquincum auf den Rang eines Munizipiums erhoben wurde, waren im Bereich der Basilika grossangelegte Terrainregelungsarbeiten im Gange. Die früheren Gebäude, die aus Lehmziegeln in der Art der Eingeborenen gebaut waren, hatte man damals abgetragen; hiernach wurde das Basilika benannte Steingebäude erbaut (Periode III). 52