Budapest Régiségei 21. (1964)

TANULMÁNYOK - Nagy Tibor: Perióduskutatások az aquincumi polgárváros területén 9-54

Ursprünglich fehlten im Gelände der Basilika die grösseren, für basilikale Zwecke geeigneten unge­teilten Räume. Den W-Flügel des Gebäudes nahm eine Tabernenreihe ein (Abb. 4, 23—24, 27—28). Auch der spätere ungeteilte, grössere Raum 3 gliederte sich damals noch in drei kleinere Räumlich­keiten. Abb. 25—26 zeigen die Reste der Ende des 2. Jahrhunderts abgerissenen früheren Zwischenmauer des Raumes 3 an. Dem letztgenannten dreiteiligen Raum schloss sich nach Norden ebenfalls eine Taber­nenreihe an (Abb. 4, 39—40). Am nördlichen Ende der Fläche, an der Stelle der früheren, eingetieften Siedlungsresten y —77 wurde ein rund 20x16 m grosser, freier Raum ausgebildet (Abb. 4, 30, 33—34, 36), der auch von Norden her mit einer kleineren Flucht von Räumen abgeschlossen war. Die Plananordnung des von zwei Seiten mit Tabernen umfassten freien Platzes weist darauf hin, dass im 2. Jahrhundert sich auf diesem Gelände ein Marktplatz (forum) befand, der als Mittelpunkt des Wirtschafts­und Handelslebens der Stadt bezeichnet werden kann. Die aus dem 2. Jahrhundert stammende „Basilica" der Stadt dürfte in der unmittelbaren östlichen oder nördlichen Nachbarschaft des durchforschten Gebietes zu suchen sein. Die oben überblickte Periode III ist auf Grund des Denkmalmaterials (Abb. 44, 46/4,8/11—12, 9/1, 9/3—6) mit den 60—70er Jahren des 2. Jahrhunderts zu schliessen. Die eng aneinandergebauten Tabernen wurden zu dieser Zeit von einem Brand zerstört. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Gebäudekomplex — worauf auch die an mehreren anderen Stellen der Bürgerstadt beobachteten Erscheinungen verweisen — dem grossen Sarmateneinbruch im Jahre 178 zum Opfer gefallen ist. Mit dem nach dem neuen Plan erfolgten Wiederaufbau des Gebäudes (Periode IV) wurde erst Ende des 2. Jahrhunderts begonnen. Es scheint ziemlich sicher, dass zu diesem grossangelegten Wiederaufbau in entscheidender Weise der Umstand beigetragen hat, dass Aquincum den Rang einer colonia einnahm (194 u. Z.). Vorhergehend (Periode Illb) sind noch in den letzten Jahrzehnten des 2. Jahrhunderts die Spuren einer gewerblichen Tätigkeit z. B. im Raum 3 anzutreffen. Auf der mit /5-bezeichneten Fläche legten wir zum Teil das Material einer Werkstätte frei, die kurze Zeit hindurch bleiglasierte Gefässe erzeugte (Abb. 47). Ende des 2. Jahrhunderts als der Wiederaufbau in Angriff genommen wurde, sind die früheren und bereits baufälligen Tabernen abgetragen, ausserdem die Fussbodenniveaus im ganzen Gebiet um 15—20 cm gehoben worden. An der Stelle der Werkstätten und der Tabernen, am Südteil des Gebäudes wurde ein grösserer ungeteilter Raum ausgebildet (Abb. 4/3), der von diesem Zeitpunkt an auch basilikalen Zwecken zu dienen vermochte. Der frühere freie Platz wurde nach Norden zu erweitert und der gekieselte Fussbodenniveau gehoben. Am nördlichen Ende des Platzes stand eine 3,3x2,2 m grosse Steinbasis mit einer Kaiserstatue, von der lediglich der 32 cm hohe und aus einem marmorähnlichen Kalkstein gehauener Kaiserkopf erhalten blieb (Abb. 48—50). Die Kaiserstatue und der grössere Platz, der an beiden Seiten mit Säulenhallen ausgestattet war, sowie die Gesamtheit der von Süden auf diesen Platz ausgehenden grösseren ungeteilten Räume weisen auf den Bereich des Aquincumer Forums hin. Nach Westen zu gehörte dem Forum der durch den cardo getrennte Gebäudekomplex an, welcher im Schrifttum unter dem Namen Palästra bekannt ist. Auch dieses Gebäude ist uns in seiner im 3. Jahr­hundert umgebauten Form bekannt, als es zu Zwecken eines Palästra keineswegs geeignet sein konnte. Im Nordteil des Gebädes kennen wir einen von der Forschung bislang noch nicht bestimmten massi­ven viereckigen Steinbau, dessen Masse die aus Aquincum gekannten Statuenbasen weit übertreffen. 163 Unsrerseits würden wir in diesem massiven Sockel den Rest des Podiums eines kleineren Heiligtums römi­schen Typs erblicken. In der Nähe, südlich von diesem Heiligtum, in dem mit Steinplatten bedeckten, südlich gelegenen Hof des Gebäudes, wurde noch Ende des vorigen Jahrhunderts eine in den Kreis des Kultes der sog. „donau­ländischen Reitergottheiten" angehörende bleierne Scheibe gefunden. 3 65 Es könnte vielleicht als kühner Gedanke gelten, wenn man zwischen dieser Scheibe aus dem 3. Jahrhundert und dem von ihrer Fund­stelle um einige Meter nördlicher gelegenen gleichaltrigen Heiligtum einen Zusammenhang entdecken wollte. Der Umstand dass uns bisher ein solches Heiligtum von einem anderen Orte noch nicht bekannt ist, wird am wahrscheinlichsten damit erklärt, dass der Kult der mit den Gestalten der Dioskuren ver­flochtenen Reitergottheiten sich mit anderen, in erster Linie mit dem von Jupiter gesellte, 166 dessen Möglichkeit wir auch im Gebiete der Bürgerstadt von Aquincum in Betracht ziehen können. Auf jedem Fall kamen im Gelände des in der gegenwärtigen Anordnung des Planes und in der inneren Ausbildung für Palästrazwecke ungeeigneten Gebäudes so bedeutungsvolle architektonische und andere Denkmäler des religiösen Lebens von Aquincum zum Vorschein, dass die kultische Bestimmung einzelner Teile dieses monumentalen Gebäudekomplexes im 3. Jahrhundert bereits zweifellos ist. Der gegenwärtige, in imposanten Dimensionen erfolgte Ausbau des Gebäudes, das unter dem Namen „Basilica" oder Palästra bekannt sind, wurde zur Wende des 2—3. Jahrhunderts vorgenommen, nachdem Aquincum den Rang einer colonia eingenommen hat. 53

Next

/
Oldalképek
Tartalom