Budapest Régiségei 14. (1945)

Járdányi-Paulovics István: Germán alakok pannoniai emlékeken 203-281

89.) Der sitzende Kaiser ist unbedingt Mar­cus Aurelius, vor ihm steht nämlich — wie auf Münzen — der junge Commodus (Anm. 90.) Die beschriebenen Scheiben vertreten zwei verwandte Stylarten. In eine Gruppe gehören die über den am Boden liegenden Germanen dahinsprengenden und den galop­pierenden Kaiser (der Stempel) darstellenden Kuchenformen. Die Entstehungszeit dieser Tonscheibegruppe kann man auf die Jahre 166—169 n. Chr. einschränken. Zu der zweiten Gruppe von Aquincum gehören die beiden Formen mit den. Triumph­bogen und das Exemplar mit der Darstellung des die Barbaren auf einem Podium em­pfangenden Kaisers. Hier gilt als genaueres Kriterium für die Zeitbestimmung die Anwesenheit des jungen Commodus. (Anm. 93.) Wenn wir nicht irren, .so hat der Meister von Aquincum dem im Jahre 176 nach der Besiegung der Barbaren (Germanen und Sarmaten) in Rom veranstalteten Triumph­zug hier ein Denkmal setzen wollen. Wie wir wissen, wurde damals dem Marcus in Rom ein Triumphbogen errichtet. Diese Scheiben sind also erst nach 176 entstanden. Die Commodus-Scheibe ist etwas jünger, aus der Zeit, als im Jahre 178 der Junge im Feldzuge gegen die Markomannen sich im Gefolge des Vaters befand. * Die Hauptszene des Kenotaphiums von Brigetio (Abb. 2.) führt uns in noch ältere Zeiten zurück. Die Gestalt des verschollenen Kriegers mit dem vornehmen Barbaren erinnert an die griechischen Grabstelen der V — IV. Jh. Das Hauptmotiv mit den zwei Gestalten könnte selbst die Fläche einer griechischen Metope ausfüllen. Die Motivie­rung der Hauptszene ist ohne Zweifel Erbe eines klassisch-griechischen Musters. Ihre Einordnung in die Massenszene und die Zutaten müssen hingegen schon zum römisch-historischen Relief gerechnet wer­den. Die griechischen Überlieferungen treten auch in der Reiterszene des noch beschei­deneren Grabmales aus Dörgicse (Abb. 4.) und noch mehr in den mit der Gestalt des Kaisers verzierten Kuchenformen aus Aquincum (Abb. 6. und 8.) und Brigetio (Abb. 13.) hervor. In Bezug auf das Gesagte kann ausser den mit Reitergestalten geschmückten Sar­kophagreliefs als ein überraschend gutes Bindeglied ein sich in einer Züricher Privat­sammlung befindliches und nicht genügend überzeugend in die Zeit um 100 n. Chr. datiertes, in Rom erworbenes Marmorrelief (Hansjörg Bloesch, Antike Kunst in der Schweiz, Zürich 1943, 127 ff. und 203 ff., T. 75.) betrachtet werden. Die am Relief dargestellte Szene betrachtet Bloesch als eine Schlacht zwischen Römern und Bar­baren schlechthin, ohne die Barbaren näher zu bestimmen, obgleich die langbeharten, bärtigen Kopftypen, die charakteristischen Waffen, der nackte Oberkörper mit dem die Schulter bedeckenden Mantel und das bis zum Knöchel reichende gedrehte Bein­kleid schon auf dem ersten Blick zweifellos auf germanische Barbaren hindetiten. Im Mittelpunkte der grossangelegten Handlung stehen der am Pferde dahinstürmende, im Panzer gekleidete vornehme römische Krie­ger (u. E. offensichtlich ein Kaiser!) und der — in diesem Falle vom Rosse — aufs Knie niedersinkende, seinen Mantel bereits verlorene, behoste Barbare. Die Richtung der Handlung geht ebenso von links nach rechts, wie auf dem Relief aus Brigetio und dem einen berittenen Krieger dar­stellenden Relief aus Dörgicse, ferner auf den positiven Abdrücken der erwähnten Kuchenmuster. Wenden wir den auf Abb. 9. sichtlichen Tonstempel von Aquincum um, so sehen wir die gleiche Bewegung, wie am Züricher Marmor. Auch die Gestalt des aufs Knie niedersinkenden Barbaren ist auf unseren obenerwähnten pannonischen Denk­mälern sichtbar, dem römischen Krieger, bzw. Kaiser gegenüberstehend, vor oder unter dem Pferde desselben. Die pannoni­schen Reliefs und Tonformen dieser Art sind fast insgesamt Verkleinerungen, Aus­züge der auch mit diesem Züricher Denkmal 276

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