Nyelvtudományi Közlemények 87. kötet (1985)
Tanulmányok - A. Molnár Ferenc: Igei-névszói kettős (hármas) szófajúság az ősmagyar korban [Nomen-Verba im Urungarischen] 37
48 A. MOLNÁR FERENC Nomen-Verba im Urungarischen von FERENC A. MOLNÁR Die Nomen-Verba der ungarischen Sprache sind Wörter doppelter Wortart, d. h, man kann in einer gegebenen Satzsituation — bis auf einige angenommene Ausnahmen — aufgrund des morphologischen und syntaktischen Verhaltens immer feststellen, ob sie als Nomen oder als Verb stehen (z. B. : A víz fagy. 'Das Wasser friert ; A fagy erős. 'Der Frost ist stark'.) In den ungarischen Verb-Nomina (Nomen-Verba) gilt — als finnougrisches Erbe — der Nominativ Singular als Grundform der Nomina, bei den Verba dagegen die dritte Person Singular der subjektiven Konjugation. Ein bedeutender Teil der Nomen-Verba der urungarischen Sprache ist uns aus der finnougrischen Grundsprache überliefert (z. B. agg 'alt, alter Mann ; alt werden' ; fagy 'Forst ; frieren, gerfrieren' ; fen 'Wetzstein; schärfen, wetzen'), aber auch solche von innerer Wortentstehung sowie Lehnwörter (pök >~ köp 'Speichel, Auswurf; spucken, speien, speicheln'; pk 'Sorgfalt, Vorsicht, Klugheit ; aus etwas die Lehre ziehen' usw.) kamen hinzu. Obwohl auch neue entstanden sind, verringerte sich die Zahl der Nomen-Verba im Laufe der urungarischen Periode, weil das verbale oder das nominale Glied in vielen Fällen abgestorben ist, oder das nominale, besonders aber das verbale Glied weitergebildet wurde und auf diese Weise nur in solchen Formen erhalten blieb, (z. B. finnougr. *sula 'geschmolzen ; schmelzen' : > ung. olvad 'schmelzen' ; uralisch *kuma 'gebeugte, ungestützte Lage ; sich beugen' : > ung. homlok 'Stirn'). Etwa von der altungarischen Periode an (vom 10. Jh.) werden die ins Ungarische entlehnten Verben mit dem Ableitungssuffix -l, später auch -z (csinál 'machen, tun' ; masíroz 'marschieren' usw.), diejenigen von innerer Wortentstehung mit verschiedenen frequentativen, momentanen, faktitiven und reflexiven Suffixen (cammog 'zotteln', nyerít 'wiehern') ergänzt, bzw. sie treten ins Ungarische in dieser Form ein. Das Suffix dient nicht oder nicht nur der Präzisierung der Bedeutung, sondern auch der Bezeichnung der Wortart Verb. So können im Ungarischen von der altungarischen Periode an im Grunde genommen keine Verb-Nomina entstehen, höchstens secundär. Der Bestand der Verb-Nomina des frühen Urungarischen lässt sich — mit grosser Unsicherheit — auf etwa 50 schätzen, diese Zahl verminderte sich jedoch gegen Ende der Periode um die Hälfte. Dazu kamen noch die Verb-Nomina, die mit homophonem Suffix entstanden sind (követ 'Gesandter ; jemandem folgen' ; halász 'Fischer ; fischen' usw.) Das nominale Glied der urungarischen Verb-Nomina ist im allgemeinen Substantiv, selten Adjektiv oder Substantiv-Adjektiv. Auch durch die Substantivierung einiger Verba (es 'es regnet ; Regen' ; fen 'schleifen, wetzen ; Schleifstein, Wetzstein' ; nyom 'drücken, pressen ; Spur, Fährte') bzw. durch den Wortartwechsel des Substantivs zum Verb (lak 'Wohnung ; wohnen' ; agg 'alt, alter Mann ; alt werden') konnten Nomen-Verba entstehen. Das verbale Glied mehrerer Verb-Nomina wurde ik-Verh : es(ik) 'es regnet' ; fos(ik) 'laxieren' ; lak(ik) 'wohnen' usw. In den Nomen-Verba der uralischen und altaischen Sprachen besteht zwischen dem verbalen und dem nominalen Glied enge semantische Verbindung, jene drückt im allgemeinen eine eigenartige Handlung oder einen Vorgang aus, diese das gleichzeitige Resultat deren. Das verbale Glied kann die Handlung, das nominale ihr ausschliessliches Mittel bedeuten. Der Gebrauch der Nomen-Verba scheint eine gemeinsame typologische Eigenart der uralischen und altaischen Sprachen zu sein, die auch durch areale Einwirkungen beeinflusst wird.