Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Allerdings vermochte er noch im Juli mit kaiserlicher Unterstützung das von den Schweden gehaltene Chemnitz zu nehmen.125 Das ansonsten gute Verhältnis zwischen Kaiser und Kurfürst wurde jedoch schnell getrübt. Unweigerlich stellten sich die ersten schweren Übergriffe, aber auch Gräueltaten wie Plünderungen, Mord und Totschlag beim Durchzug der kaiserlichen Armee durch Sachsen ein. Johann Georg beschwerte sich daraufhin bitterlich bei Generalleutnant Matthias Gallas.126 Bei der notorisch unterversorgten und unterbezahlten kaiserlichen Soldateska gehörten diese Erscheinungen schon zum traurigen Alltag des Krieges.127 Gallas hatte jedoch andere Sorgen, als sich um die Disziplin einzelner Verbände in seinen Reihen zu kümmern. Er erwartete tagtäglich zuerst bei Werdau und dann bei Zeitz die Armeeabteilung Zaradetzkys zur notwendigen Verstärkung der Hauptarmada.128 Zaradetzky, so scheint es, hatte es aber nicht sehr eilig zum Generalleutnant zu stoßen.129 Erst relativ spät konnte er sich mit den Hauptverbänden vereinen. So kostete auch das Warten auf diese Armeeabteilung viel Zeit. Noch bevor man Dänemark erreichte, entwickelten sich die Dinge äußerst unerfreulich für Gallas. Die militärische Unterstützung durch Kursachsen hielt sich in Grenzen130, Kurbayem war voll und ganz mit der Abwehr der wieder offensiv werdenden Franzosen beschäftigt131, Friedrich Wilhelm, der Kurfürst von Brandenburg, bat um möglichst große Schonung des Landes132, wollte aber in Wirklichkeit nichts mit der kaiserlichen Armee zu tun haben und beschwerte sich sofort mit einem geharnischten Protestschreiben als Gallas kurbrandenburgisches Gebiet wieder einmal besteuern wollte133, und die Anschlussversorgung durch Hamburg, wie im kaiserlichen Plan vorgesehen, war äußerst dürftig.134 Einziger Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644 125 Theatrum Europeum, V. Theil. Frankfurt/M. 1707, S. 344 f. 126 KA, AFA 1 644 VI 37, Ka. 117, Johann Georg an Gallas, Schloss Chemnitz 30. Juni 1644 und StOAD, F KG, Ka. 381, Johann Georg an Gallas, Rochlitz 31. Juli 1644. 127 Eine Erklärung zu diesem Phänomen bietet Kroener, Bernhard R.: Soldat oder Soldateska? Programmatischer Aufriß einer Sozialgeschichte militärischer Unterschichten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: Manfred Messerschmidt (Hrsg.), Militärgeschichte. Probleme-Thesen- Wege (= Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte 25. Stuttgart 1982), S. 100-123. 128 StOAD, FKG, Ka. 380, Gallas an Schlick, Werdau 16. Juni 1644; Gallas an Ferdinand III., Werdau 17. Juni 1644 und Gallas an Ferdinand III., Zeitz 22. Juni 1644 (Konzepte). Nicht zutreffend die Edition Gallas an Ferdinand III., Zeitz 22. Juni 1644, in: DBBT VII. Nr. 302, S. 110 f. 129 StOAD, FKG, Ka. 380, Zaradetzky an Gallas, Unterlangenstadt bei Kroneck 17. Juni 1644. 130 StOAD, FKG, Ka. 381, Ferdinand III. an Gallas, Wien 8. Juli 1644. 131 Vgl. dazu Albrec ht : Maximilian, S. 990 f. und Imml er : Kurfürst Maximilian I., S. 37-48. 132 StOAD, FKG, Ka. 381, Friedrich Wilhelm an Gallas, Cölln an der Spree 3. Juli 1644. 133 Ebenda, Friedrich Wilhelm an Gallas, Cölln an der Spree 20. Juli 1644. 134 StOAD, FKG, Ka. 383, Der kaiserliche Agent und Generalproviantkommissar Johann Sieber informierte Generalleutnant Gallas über die Vorgänge und politischen Entscheidungen in Hamburg und im Niedersächsischen Kreis. Eines von vielen Schreiben von Sieber aus Hamburg, die das 53

Next

/
Oldalképek
Tartalom