Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Robert Rebitsch Trost für den dem Alkohol nicht abgeneigten Matthias Gallas blieb der von seinem Verwalter Stephan Rathmüller aus Friedland/Frydlant übersandte Trentiner Wein und andere Viktualien (Lebensmittel).135 Ab Juli erfasste auch Ferdinand III., dass der Feldzug nicht so reibungslos von statten gehen würde, als er vor Beginn der Operation dachte. In einem pessimistisch klingenden Schreiben an seinen Generalleutnant bedauerte er die ausbleibende militärische Unterstützung durch Kurbayem und Kursachsen.136 Seine Hoffnungen ruhten jetzt auf die Einberufung des Niedersächsischen Kreistags, von dem sich das Reichsoberhaupt militärische Unterstützung und finanzielle Hilfe erwartete.137 Der Kaiser appellierte dabei an die Reichstreue der Fürsten und Stände Niedersachsens, die schwedischen Reichsfeinde mit gemeinsamen Kräften aus Deutschland zu jagen. Allerdings war die Kooperation zwischen Reichsoberhaupt und den Kreisen, besonders auch mit dem niedersächsischen Kreis, der sich 1639 für neutral erklärte, nie besonders einfach.138 Die kaiserliche Armada marschierte über das Vogtland, Thüringen, Sachsen- Anhalt und überquerte mit Hilfe der Schiffsbrücken die Elbe bei Werben.139 Am 15. Juli stand die Armada bei Perleberg kurz vor Mecklenburg.140 Unterwegs nahm man die schwedisch besetzte Stadt Zeitz141, belagerte und eroberte mit zwei Regimentern Boizenburg142 ohne dabei höhere Verluste in Kauf nehmen zu müssen. Nach einer nicht gerade überragenden Marschleistung - in über 50 Tagen legte die kaiserliche Armada ohne größere Gefechte über 650 Kilometer zurück - kam das Gros der Armee am 28. Juli 1644143 in Oldesloe an, wo Gallas etwas ratlos die schwierige Verhältnis der Stadt Hamburg und der kaiserlichen Armada schildern: Sieber an Gallas, Hamburg 3. September 1644. 135 StOAD, FKG, Ka. 381, Stephan Rathmüller an Gallas, Friedland/Frydlant 7. Juli 1644. Rathmüller war der Verwalter der böhmischen Güter (Friedland/Frydlant, Reichenberg/Liberec und Smirschitz/Smifice) von Matthias Gallas. 136 DBBT VII. Nr. 314, S. 113 f.Ferdinand III. an Gallas, Wien 8. Juli 1644. 137 DBBT VII. Nr. 319, S. 115, Ferdinand III. an Gallas, Wien 11. Juli 1644. 138 Zur Politik der Reichskreise vgl. Magen, Ferdinand: Die Reichskreise in der Epoche des dreißigjährigen Krieges. In: Zeitschrift für Historische Forschung 9 (1982), S. 409-460, hier S. 452. 139 Zum Feldzug vgl. Salm: Armeefinanzierung, S. 37-42, der vornehmlich aus dem Bericht von Matthias Gallas zitiert: Generallt. Graff Gallassen außfiihrlich Relation sub dato Bemburg 25. September 1644, HHStA, KrA fasz. 117, fol. 320-359. Diese Relation des Generalleutnants an den Kaiserhof beschreibt subjektiv die Ereignisse des Feldzuges ab Ende Juli bis Mitte September. Inhaltlich ist die Relation weitgehend identisch mit den Kopien der Meldungen an den Kaiserhof im StOAD, FKG, Ka. 382 und 383. 14,1 BayHStA, KÄA 2 502, Gallas an Maximilian I., Perleberg 15. Juli 1644. 141 Dazu vgl. Ferdinand III. an Gallas, Wien 4. Juli 1644, in: DBBT VII. Nr. 311, S. 113. 142 Dazu vgl. Gallas an Ferdinand III., Oldesloe 2. August 1644, in: DBBT VII. Nr. 346, S. 123 und HHStA, KrA fasz. 117, fol. 9. 143 Daten nach dem Gregorianischen Kalender. 54

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