Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

von 1 200 Mann zu Pferd und über 2 000 Mann zu Fuß100 zur Hauptarmee unter Gallas.101 Generalfeldmarschall Hatzfeld blieb bis weit in den Sommer hinein - wie es scheint - unkooperativ. Als der Gallas unterstellte Raimondo Montecuccoli102, der frisch zum Feldmarschallleutnant befördert wurde103 und in der Abwehr von Königsmarck teilweise die Agenden des kranken Hatzfeld übernehmen sollte104, im Juli mit dem bayerischen Oberbefehlshaber Mercy kooperierte, entschuldigte sich der widerspenstige Feldmarschall, dass er zu Unrecht Schreiben an Bayern abgefertigt und kaiserliche Befehle missachtet habe. Als Grund seiner Unachtsamkeit, die klar die eigene Kriegführung konterkarierte, gab Hatzfeld an, dass die kaiserlichen Befehle unglücklicherweise in ungültige Schreiben seiner Kanzlei gerutscht seien und er sie deshalb nicht lesen konnte.105 Die Causa Hatzfeld war für Ferdinand III. umso peinlicher, als dass er dem dänischen König bereits Anfang März mitteilte, der Feldmarschall marschiere schon auf das Erzstift Bremen zu.106 Das war natürlich nicht der Fall. Das Benehmen und die Stellungnahmen des Reichsgrafen lassen auf keinen Fall auf einen engagierten im Sinne der Sache arbeitenden Militär schließen, viel eher auf Unwilligkeit und Insubordination. Es erstaunt daher, dass Ferdinand nicht schärfer gegen den Feldmarschall, der zweifelsohne seine Verdienste hatte, einschritt107, ganz im Gegenteil, ihn sogar wiederum rehabilitierte und für die Schlacht von Jankau/Jankov (6. März 1645) als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armada einsetzte. In einem natürlich hatte Hatzfeld, wie man es auch drehen und wenden mag, Recht: eine feindliche Bedrohung im fränkischen Raum durch die Truppen Hessen-Kassels gab es Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644 100 Die Stärkeangabe zur Truppe von Zaradetzky variiert allerdings. Die Instruktion für Wilhelm Schröder bei Kurbayem, Wien 19. Juni 1644, KA, AFA 1644 VI40 und VI41, Ka. 117 (Abschrift) nennt 1 200 Pferde und 2 000 Mann Fußsoldaten, die Nachricht Ferdinands an Gallas nur wenige Tage später nennt 2 600 Mann an Infanterie: StOAD, FKG, Ka. 380, Ferdinand III. an Gallas, Wien 28. Juni 1644. 101 StOAD, FKG, Ka. 380, Hatzfeld an Gallas, Haltenbergstetten 8. Juni 1644 und Gallas an Hatzfeld, Plauen 10. Juni 1644. 102 Zum hervorragenden General Raimondo Fürst Montecuccoli, Herzog von Melfi, der einer der bedeutendsten Militärtheoretiker des kaiserlichen Heeres werden sollte und als Oberbefehlshaber unter Kaiser Leopold I. 1664 die Türken bei St. Gotthard an der Raab besiegen konnte, vgl. Barker, Thomas M.: The Military Intellectual and Battle: Raimondo Montecuccoli and the Thirty Years War. Albany-New York 1975 sowie Peball, Kurt: Raimund Fürst Montecuccoli 1609-1680. Gedanken zum Leben und Werk eines großen österreichischen Feldherm, in: Österreichische Militärische Zeitschrift 2 (1964), S. 301-305. 103 Zur Beförderung Montecuccolis: DBBT VII. Nr. 308, S. 112, Ferdinand III. an Gallas, Wien 28. Juni 1644. 104 StOAD, FKG, Ka. 381, Ferdinand III. an Gallas, Wien 4. Juli 1644, Gallas an den Bischof von Bremen, Werben 10. Juli 1644 und KA, HKR 291, fol. 293, 22. Juni 1644. 105 StOAD, FKG, Ka. 381, Hatzfeld an Montecuccoli, Andernach 29. Juli 1644. 106 HHStA, KrA fasz. 119, fol. 46-49, Ferdinand III. an Christian IV., Wien 2. März 1644. 107 Trotz wiederholter Befehle: z. B. Kaiserliche Proposition an Herrn Grafen von Hatzfeld, überreicht in Haltenbergstetten am 11. Juni, KA, AFA 1644 VI47, Ka. 117. 49

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