Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)
REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644
Robert Rebitsch immer.108 Allerdings oblag der Abzug seines Korps aus Franken nicht ihm, sondern dem obersten Kriegsherrn. Hatzfeld überschritt wahrlich seine Kompetenzen. Letzte Instruktionen vor Beginn des Feldzuges vom Kaiser kamen am 10. Mai 1644 zu Gallas109, in der er den Generalleutnant wieder einmal zu einem schnellen Abmarsch in Richtung Norden drängte. Gallas sollte nun mit aller zur Verfügung stehenden Macht nach Holstein ziehen. Neben dem Angriff auf Torstensson, so wollte es der oberste Kriegsherr, war dieser Feldzug endlich eine Gelegenheit, den gefürchteten Königsmarck, von dem man trotz aller Aufklärungstätigkeiten eigentlich nie genau wusste wo er war, auszuschalten. Ferdinand schlug schließlich alle Bedenken bezüglich Proviantmangel und Schwächen bei der Artillerie110 sowie einer möglichen Flankenbedrohung durch die hessischen Truppen in den Wind und räumte der Unterstützung Christians IV. höchste Priorität ein. Mit dem Marschplan seines Generalleutnants war Ferdinand, der zu dieser Zeit doch noch erhebliche Geldmittel auftreiben konnte, zufrieden.111 Somit stand den letzten Vorbereitungen nichts mehr im Wege. Generalleutnant Gallas legte das böhmische Eger/Cheb als Bereitstellungsraum für die Armee fest, wo er Anfang Juni die Truppen musterte.112 3. Der kaiserliche Feldzug Ein halbes Jahr nachdem Torstensson mit seiner Armee die Grenze nach Holstein überschritten hatte, kam der kaiserliche Feldzug erst ins Rollen. Im Frühjahr 1644 hatte der schwedische Feldmarschall bereits das ganze dänische Festland besetzt und dementsprechend nervös und unzufrieden mit der kaiserlichen Unterstützung war man in Kopenhagen.113 Wenngleich sich die Schweden aufgrund des bäuerlichen Widerstandes mit der Besetzung des dänischen Festlandes alles andere als leicht taten, konnten sie durch die eigene Flotte in der Kieler Bucht und durch eine zweite Armee unter General Gustav Horn am Sund (Bohuslän und Halland, 108 Auch Ferdinand, der Kurfiirst-Erzbischof von Köln, hatte arge Bedenken, dass bei einem Abzug der Hatzfeldschen Truppen die Hessen in sein Eizstift entfallen würden. HHStA, KrA fasz. 114, fol. 104-106, Kurfürst Ferdinand von Köln an Ferdinand HI., Bonn 22. November 1643. 109 StOAD, FKG, Ka. 379, Ferdinand III. an Gallas, Wien 10. Mai 1644 und KA, AFA 1644 V 40, Ka. 117, Instruktion Ferdinands III. an Johann Adolf von Schwarzenberg, Wien 28. Mai 1644 (Abschrift). Tatsächlich traf das notwendige Geld für die Artillerie sehr spät ein und man konnte daher den nötigen Bedarf nicht rechtzeitig auffüllen. Vor allem Rösser und Knechte fehlten. Oberst Insel an Gallas, Krumau/Ceskÿ Krumlov 9. Mai 1644, StOAD, FKG, Ka. 379. 111 Ebenda, Ferdinand III. an Gallas, Wien 11. und 16. Mai 1644. 112 DBBT VII. Nr. 243, 94f. Gallas an Ferdinand III., Prag 14. Mai 1644 und StOAD, FKG, Ka. 379, Gallas an Johann Georg, Prag 27. Mai 1644. 113 DBBT vn. Nr. 253, 97, N. Burensberg an Gallas, Den Haag 2. Mai 1644; ebenda, Nr. 191, 78- 80, Christian IV. an G. Plettenberg, Kopenhagen 20. März 1644 und HHStA, KrA fasz. 116, fol. 401 f., Ferdinand III. an Gallas, Wien 13. Juli 1644. Den Dänen ging der Marsch viel zu langsam von statten. 50