Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Robert Rebitsch verzögerte der Feldmarschall den Aufbruch seines Korps, so dass sich der Hofkriegsrat gezwungen sah, Hatzfeld einen klaren und unmissverständlichen Befehl zur Vereinigung mit der Hauptarmada und zur Unterstellung unter das Kommando von Gallas zu geben.94 Dabei ließ man in Wien klar durchklingen, dass die Ausreden und Entschuldigungen des Feldmarschalls in Zukunft nicht mehr akzeptiert werden würden. Nicht umsonst verzweifelte der kaiserliche Gesandte in Osnabrück, Johann Weikhard Auersperg, ob der Unbeweglichkeit der eigenen Generäle. Der junge Diplomat Auersperg wusste genau, wie wichtig eine schnelle militärische Hilfe für die weiteren Verhandlungen in Osnabrück war, bestand doch die Gefahr eines vorzeitigen Kollabierens des dänischen Königreichs und einhergehend damit eines separaten Friedensschlusses der nördlichen Königreiche zugunsten der Vasa.95 Aber der in Deutschland selbständig agierende, dem Kurfürsten von Bayern unterstellte Hatzfeld hatte nicht nur ein - offenbar schwereres — gesundheitliches Problem96, sondern auch ein Problem mit Generalleutnant Gallas. Noch vor dem Feldzug musste Gallas auf die Unterstellung von Hatzfeld bestehen, dem der Kaiser vorerst ein so genanntes absolutes Kommando, also selbständige Befehlsgewalt, im Erzstift Bremen einräumen wollte. Das konnte der Trientner im Sinne einer einheitlichen Führung jedoch nicht akzeptieren. Obzwar Ferdinand seinen Generalleutnant aufmerksam machte, dass ihm als obersten Kriegsherrn der Einsatz der Armee freistehe, setzte sich Gallas - in dieser Frage zumindest - durch.97 Der Generalleutnant sah seine einzige Chance in der Vereinigung mit Hatzfelds Truppen, um mit „coniunctis viribus“, wie er dem bayerischen Kurfürsten schrieb, gegen Königsmarck zu bestehen.98 99 Ferdinand erkannte das Problem und versicherte seinem General, dass er voll und ganz über das Korps des Reichsgrafen verfugen könnte. Doch Hatzfeld war so schnell nicht einzuschüchtem. Er dachte nicht daran, seine Truppen mit denen von Gallas zu vereinen. Sein Ausbleiben entschuldigte er mit seiner angeschlagenen Gesundheit, feindlicher Präsenz im Raum Erfurt, Leipzig und Halberstadt sowie mit dem üblichen Einwand des Proviant- und Fouragemangels." Indessen sandte er Generalfeldwachtmeister Vaclav Freiherr von Zaradetzky mit einer Armeeabteilung 94 StOAD, FKG, Ka. 379, Befehl des Hofkriegsrates an Hatzfeld, Wien 29. Mai 1644 und KA, HKR 291, fol. 275, 19. Mai 1644. 95 Dazu vgl. M e c e n s e f f y : Im Dienste, S. 326. 96 Hatzfeld entschuldigte sich mit seinem schlechten Gesundheitszustand bei Gallas: Hatzfeld an Gallas, Haltenbergstetten 8. Juni 1644, StOAD, FKG, Ka. 380. An das Reichsoberhaupt schrieb Hatzfeld: „[...] ist mein zustand also beschaffen, dass ich zu roß gar nit, zu wagen in die weithe gleichfalls, bisweillen aber ingravescente morbo, weder stehen noch gehen, oder einige bewegung erdulden kann.“ BayHStA, KÄA 2 589, Hatzfeld an Ferdinand III., Haltenbergstetten 26. Mai 1644. 9 StOAD, FKG, Ka. 379, Ferdinand III. an Gallas, Wien 19. Mai 1644. 98 BayHStA, KÄA 2 502, Gallas an Maximilian I., Prag 20. April 1644. 99 KA, AFA 1644 V 39, Ka. 117, Hatzfeld an Ferdinand III., Würzburg 18. Mai 1644 und ebenda, Hatzfeld an Schwarzenberg, Haltenbergstetten 15. Juni 1644 (Abschriften). 48

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