Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Weiters schlug das Reichsoberhaupt vor, mittels in Dresden, Meißen, Torgau oder Magdeburg gekaufter Schiffsbrücken die Elbe zu überwinden. Wie üblich verließ sich die kaiserliche Armee auf Schiffe zur Überwindung fließender Gewässer. Die Reichsstände im Norden, wie das Erzstift Bremen88 und die Stadt Hamburg, sollten für die kaiserliche Kriegführung gewonnen werden. Von Hamburg erwartete sich das Reichsoberhaupt eine Unterstützung durch Proviant und den Römermonat89, also den monatlich zu leistenden, reichsständischen, finanziellen Beitrag zur Erhaltung des kaiserlichen Heeres. Von Braunschweig wiederum erhoffte sich das Reichsoberhaupt eine wohlwollene Neutralität.90 Das Ziel des Feldzuges wurde von Ferdinand klar umrissen: [...] mit dem Torstensohn zue einem gewünschten endt zu kommen oder zum wenigsten denselben den Zurückgang in das Heilige Römische Reich und unsere erbkönigreich und länder zu verwehren.91 Nichts weniger als die endgültige Ausschaltung des schwedischen Feldmarschalls Torstensson und seiner Armee - und damit einhergehend eine wesentliche Verbesserung der Bedingungen bei den Westfalischen Verhandlungen — war die Intention des Reichsoberhaupts. Die Schweden in Dänemark zu halten, war lediglich das Minimalziel. Feldmarschall Hatzfeld sollte nun als zweite Marschkolonne in Richtung Norden die Hauptarmada abschirmen und unterstützen. Der Auftrag des Kaisers an den Reichsgrafen war deutlich formuliert: [...] und dass er diesen feind nit allein von geferlichen einfall in Meissen, Franckhen, Oberpfalz oder unser aigener Erbkönigreich und länder abhalten und dieselben bessermaßen bedenkhen, sondern auch ermelten Königsmarck überaln wohin er sich wenden würde nachgehen und dem Generalleutenenten den rückhen sicher halten sollte, damit er ohne diversion oder hinderung mehrmelts Königsmarckh mit seiner operation wider den Torstensohn bestendig fortfahren khöne.92 Im Fall der Vereinigung der schwedischen Armeen sollte der Reichsgraf der Hauptarmada zu Hilfe eilen. Ein gut durchdachter Operationsplan. Doch der selbstbewusste Feldmarschall Melchior Hatzfeld, 1639 vom Kurfürst-Erzbischof von Mainz mit der Herrschaft Gleichen und 1641 mit Haltenbergstetten, Rosenberg und Waldmannshofen belehnt93, war ein eigenes Problem in diesen Tagen. Eigentlich vorgesehen zum Flankenschutz der Hauptarmada entlang der Weser, Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644 HHStA, KrA fasz. 116, fol. 109-112, Ferdinand UI. an Bremen und Braunschweig, Wien 5. Mai 1644 (Konzept). 89 Dazu vgl. Ra iss, G.: Römermonat. In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte IV (Berlin 1990), Sp. 1 113-1 115. 90 StOAD, FKG, Ka. 379, Ferdinand III. an Hatzfeld, Wien 7. Mai 1644. 91 BayHStA, KÄA 2 787, Ferdinand III. an Maximilian I., Wien 21. April 1644. 92 HHStA, Reichskanzlei, Instruktionen Ka. 13, Instruktion für den Geheimen Hofsekretär Wilhelm Schröder, Wien 19. Juni 1644. 93 Zum kaiserlichen Feldmarschall Reichsgraf Hatzfeld, der Erfolge wie Misserfolge während des Krieges aufzuweisen hatte, vgl. Engelbert, Günther: Hatzfeld, Melchior Graf. In: Neue Deutsche Biographie 8 (Berlin 1969), S. 64 f. und Find ei sen : Der Dreißigjährige Krieg, S. 457. 47

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