Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Robert Rebitsch ungewöhnlich bestimmt gehaltenen Schreiben setzte ihm der Kaiser mit 1. Mai das Ultimatum zum Aufbruch in Richtung Dänemark.80 Eine Verschiebung aufgrund einer Ermangelung „des einen oder des andren requisiti“ soll ab nun nicht mehr möglich sein, ließ er Gallas wissen, und spielte damit auf die ständigen Einwände seines kommandierenden Offiziers an. Allerdings waren nicht alle Einwände des Generalleutnants Vorwände. Es gab durchaus emstzunehmende Probleme im Versorgungswesen und bei der Artillerie, ganz zu schweigen, dass Geld ohnehin keines vorhanden war. Gallas war freilich nicht der einzige, der Bedenken hatte. So äußerte sogar der in Osnabrück verweilende kaiserliche Diplomat Johann Weikhard Auersperg - obzwar eifriger Befürworter des Feldzuges — seine Bedenken hinsichtlich der Femversorgung der kaiserlichen Armee: Wir verhoffen, Gallas werde per diversionem Danum succuriren; nach Holstein zu gehen undt zu stehen, ultima mina. Die Schweden haben magazzinhauser, zwen see offen, wir nichts; zwischen lauter feindt guamisonen, was der khonig aida hatt, via sufficit pro Gligstadiensibus, civitates ex composito, spem dandi facerent, different, donec consumeremur.81 Ferdinand glaubte jedoch, diese Probleme rundherum gelöst zu haben. Allerdings musste auch das Reichsoberhaupt zwei Wochen später nach einer neuerlichen Intervention von Gallas, in welcher der Generalleutnant auf eine ausreichende Verproviantierung der Armee drängte82, zur Kenntnis nehmen, dass es wirkliche Mängel sowohl bei der Artillerie als auch bei der Kavallerie und Infanterie83 gab.84 Der Infanterie fehlte es vor allem an Handfeuerwaffen, worauf Ferdinand zwar an die 1.000 Musketen der Hauptarmada zukommen ließ85, diese waren jedoch nach Einschätzung des Zeugwarts in Prag von minderer Qualität.86 Und bei der Kavallerie hieß die erste Priorität „Remontierung“ der Truppe, also die Aufbringung der Pferde. Die unzulänglichen Vorbereitungen des Feldzuges und die schweren Mängel bei der Kavallerie, der Artillerie und im Proviantwesen fielen auch dem bayerischen Hofkammerpräsidenten Johann Mändl von Deutenhofen auf, der am Kaiserhof verweilte und an seinen Kurfürsten Maximilian fleißig Bericht erstattete.87 StOAD, FKG, Ka. 378, Ferdinand III. an Gallas, Wien 27. April 1644, (mit einer Beilage: Angriffsbefehl auf die Schweden an Hatzfeld). 81 APW II A/l. Nr. 317, 525 f., Auersperg an Kurz, Osnabrück 7. Juli 1644. 82 StOAD, FKG, Ka. 379, Ferdinand III. an Gallas, Wien 10. Mai 1644. 83 Zur Meldung von Gallas über die Mängel in der kaiserlichen Armee: DBBT VII. Nr. 243, 94 f., Gallas an Ferdinand III., Prag 14. Mai 1644. 84 StOAD, FKG, Ka. 379, Ferdinand III. an Gallas, Wien 17. Mai 1644. 85 Ebenda. Ebenda, Zeugwart zu Prag an Gallas, 1. Juni 1644. 87 BayHStA, KÄA 2 790, Johann Mändl an Maximilian, Wien 22. und 30. März 1644. Der bayerische Hofkammerpräsident dürfte ein gutes Verhältnis zu Graf Schlick gehabt haben, von dem er seinen Informationen bezog. 46

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