Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

sich der oberste Kriegsherr von seinem Oberbefehlshaber ein militärisches Gutachten über den kommenden Feldzug unterbreiten. Das Reichsoberhaupt sah Anfang des Jahres 1644 in einem militärischen Schlag gegen die Schweden in den Herzogtümern Schleswig und Holstein die einzige Möglichkeit, die politisch brisante Situation zu bereinigen. Reichsvizekanzler Ferdinand Siegmund Graf von Kurz, Freiherr von Senftenau, wurde zwecks gemeinsamer Beratungen zu Gallas nach Smirschitz/Smifice gesandt.36 Heinrich von Schlick, der kaiserliche Hofkriegsratspräsident, riet seinem Vertrauten Gallas, sich kein Blatt vor dem Mund zu nehmen und ehrlich seine Meinung zu sagen.37 Der Hofkriegsratspräsident wusste wie es um die kaiserliche Armee stand. Kurz fand den Trientner in einem erbärmlichen Gesundheitszustand vor38, die Ergebnisse der Planungen konnten sich aber durchaus sehen lassen. Der wohl durchdachte, vom Kaiserhof akzeptierte Operationsplan39, sah nach gründlicher militärischer Vorbereitung eine dreiteilige Marschbewegung in Richtung Norden vor. Die Kampfführung aller drei Armeeabteilungen sollte dabei so beweglich und flexibel wie möglich gehalten sowie eine gegenseitige Unterstützung ermöglicht werden. Hatzfeld sollte dabei entlang der Weser marschieren und die im Raum Sachsen/Thüringen meist beritten operierenden Truppen des Generalmajors Königsmarck von der Hauptarmada femhalten.40 Der in schwedischen Diensten stehende Brandenburger Hans Christoph von Königsmarck41, späterhin „einer der reichsten Männer seiner Zeit“, ein Meister des Kleinkrieges, der Störaktionen und Überfalle, war der am meisten gefürchtete Gegner der kaiserlichen Armee im Herbst und Winter 1643/44.42 Durch seine bewegliche, oft unberechenbare Kampffuhrung musste man immer mit ihm rechnen. Zudem operierte Königsmarck, der Anfang des Jahres 1644 die strategisch wie auch politisch wichtigen Stifter Bremen und Verden überfiel, zeitweilig mit den im Raum Darmstadt Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644 36 HHStA, KrA fasz. 114, fol. 180-187, Kaiserliches Memorial für den Reichsvizekanzler über die Beratungen mit Gallas, Wien 16. Januar 1644. 37 StOAD, FKG, Ka. 376, Schlick an Gallas, Wien 16. Januar 1644. 38 HHStA, KrA, fasz. 114, fol. 248, Kurz an Ferdinand III., Smirschitz/Smifice 22. Januar 1644. 39 HHStA, KrA fasz. 115, fol. 8-18, Gutachten der deputierten Räte an den Kaiser über die Konferenz des Reichsvizekanzlers mit Gallas in der dänischen Angelegenheit, 3. Februar 1644; HHStA, KrA fasz. 118, fol. 140-155, Gutachten Gallas über den schwedischen Einfall in Holstein, s.l. noch vor Beginn des Feldzuges und HHStA, KrA, fasz. 115, fol, 20 f., Ferdinand III. an Gallas, Wien 5. Februar 1644. 40 StOAD, FKG, Ka. 377, Ferdinand III. an Gallas, Wien 5. Februar 1644. Vgl. dazu auch R u p p e r t : Die kaiserliche Politik, S. 51. 41 Zu seiner Person vgl. Schulze, Heinz Joachim: Hans Christoph Königsmarck. In: Neue Deutsche Biographie 12 (Berlin 1980), S. 360 f. und Find ei sen: Der Dreißigjährige Krieg, S. 462 f. 42 Dazu eine von vielen Korrespondenzen, welche die Aktionen von Königsmarck sorgenvoll thematisieren: StOAD, FKG, Ka. 376, Johann Georg von Sachsen an Gallas, Dresden 22. Januar 1644. 39

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