Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Robert Rebitsch bereitgestellten Truppen der entschlossenen und zähen Habsburgergegnerin Amalie Elisabeth, Landgräfin von Hessen-Kassel.43 Mit der nicht unerheblichen Armee der reformierten Landgräfin stellte der Söldnergeneral vor allem eine Bedrohung für den fränkischen Kreis und für südwestliche Flanke des Feldzugs dar. So wurde im Frühjahr General Albert Gaston Spinola de Bruay mit starken kroatischen Verbänden nach Plauen beordert, um Königsmarck von den kaiserlichen Vorbereitungen fern zu halten.44 Allerdings kam es dabei zu keinen nennenswerten Feindkontakten, sodass Graf Bruay sich wieder der Hauptarmada anschloss.45 Zurück zur Feldzugsplanung: Ein zweites Korps unter Feldmarschall Johann Graf Götz sollte die von den Schweden gehaltenen Schlüsselfestungen in Mähren und Schlesien nehmen und nach Erledigung dieser Aufgabe entlang der Oder zur Hauptarmada ziehen. Für die kaiserliche Hauptarmee selbst war der Zug entlang der Elbe nach Mecklenburg und Pommern geplant. Neben der taktisch wohl überlegten, in drei Heereskolonnen aufgeteilten Marschbewegung sollte der Nachschub entlang der Flüsse und Ströme und nicht auf den schlecht ausgebauten Straßen sichergestellt werden.46 Dieser Operationsplan wäre durchaus, hätte man auch den Nachschub sicherstellen können, umsetzbar und Erfolg versprechend gewesen. Aufgrund der internationalen Lageentwicklung war der Plan zum Zeitpunkt seiner Bestätigung durch den Kaiserhof bereits obsolet geworden. Der reformierte Fürst von Siebenbürgen, György I. Raköczi47, ein bisher eher vorsichtig agierender Mann, fiel nämlich im Februar 1644 in das habsburgische Oberungam ein. Mit schwedischen Subsidiengeldem bedacht48, griff er nach Abschluss eines Bündnisses 43 Zur Witwe des 1637 verstorbenen Landgrafen Wilhelm V., die als gleichberechtigte Verbündete Schwedens und Frankreichs anerkannt wurde und zu den Gewinnern des Westfalischen Friedensabkommens zu zählen ist, vgl. Cramer, Claus: Amalie Elisabeth. Landgräfm von Hessen-Kassel, in: Neue Deutsche Biographie 1 (Berlin 1953), S. 237 und vor allem Petri, Gerhard: Das Militärwesen von Hessen-Kassel in der Zeit Landgraf Wilhelms V. und der Landgräfin Amalie Elisabeth: 1627-1649. Univ.-Diss. Bonn 1996. 44 StOAD, FKG, Ka. 378, Graf von Bruay an Gallas, Eger/Cheb 11. April 1644. 45 Dazu vgl. Ferdinand III. an Gallas, Wien 19. Juni 1644, in: Documenta Bohemica Bellum Tricennale Illustrantia, Tomus VII: Der Kampf um den besten Frieden. Quellen zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges zur Zeit der Friedensverhandlungen von Westfalen und der Ratifizierung des Friedens 1643-1649. Hrsg, von Miroslav Toegel, Praha 1981, Nr. 251, S. 97 [in Hinkunft: DBBT VII], 46 Vgl. zu dieser Thematik Hobelt, Lothar: The post-Wallenstein Imperial Army in the Thirty Years War 1634-48. Politics and Logistics. 47 Zum Fürsten von Siebenbürgen vgl. Szilagyi, Alexander: Georg Rakoczy I. im Dreißigjährigen Krieg 1630-1640. Budapest 1883; Benda, Kalman: Râkôczi von Felsövadäsz, György (Georg) I. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas IV (München 1981), S. 26 f. und Findeisen: Der Dreißigjährige Krieg, S. 388 f.; zu seinem Feldzug nach Oberungam Depner, Maja: Das Fürstentum Siebenbürgen im Dreißigjährigen Krieg dargestellt im Rahmen der deutschen und der europäischen Geschichte. (Schriftenreihe der Stadt der Ausländsdeutschen Heft 4. Stuttgart 1938), S. 156-162. 48 Dazu vgl. Lorenz, Gottfried: Schweden und die französischen Hilfsgelder von 1638 bis 1649. In: Repgen (Hrsg.), Forschungen und Quellen, S. 98-141, bes. S. 139. Zwischen 1642 und 1646 40

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