Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Robert Rebitsch eine kräftige militärische und finanzielle Hilfe aus Wien30, die jedoch ebenfalls nicht mehr machbar war. Obwohl noch im Februar der Plan eines Sukkurses (Hilfe, Beistand, Unterstützung) durch General Melchior Reichsgraf Hatzfeld von Gleichen, der ein eigenes, allerdings dem bayerischen Kurfürsten auf Zusammenarbeit angewiesenes Korps führte, in den kaiserlichen Reihen spruchreif war31, konzentrierte sich der Habsburger einstweilen ganz auf die keineswegs uneigennützige, militärische Unterstützung Dänemarks. Und Ferdinand III. spielte gegenüber dem bayerischen Kurfürsten durchaus mit offenen Karten. Er ließ Maximilian I. auf der Konferenz von Passau über seine Absichten hinsichtlich des Nordfeldzuges und der dadurch nicht möglichen kaiserlichen Unterstützung gegen Frankreich hinreichend informieren.32 Im Jänner 1644 schickte er seinen in Hamburg verweilenden Residenten Georg von Plettenberg an den Hof zu Kopenhagen, um mit dem dänischen König Christian IV., der als Herzog von Holstein auch deutscher Reichsfürst war, die weitere Vorgehensweise zu verhandeln, vor allem aber um Dänemark von einem separaten Friedensschluss mit Schweden abzuhalten.33 Ein dänisch-schwedischer Ausgleich ohne Kaiser war in Wien im Hinblick auf die westfälischen Verhandlungen geradezu eine Schreckensvorstellung. Auf einen dänisch-schwedischen Ausgleich arbeiteten jedoch - selbstverständlich auch nicht uneigennützig - Frankreich und die Niederlande seit Januar hin.34 Frankreich wollte die schwedische Armada wieder in die Länder des Erzfeindes Habsburg zurückführen und den Generalstaaten der Niederlande ging es um handelspolitische Ziele im Baltischen Meer, wo sie sich durch Christian IV. immer wieder eingeschränkt und behindert sahen. Vor allem die Herabsetzung des Sundzolls für holländische Handelsschiffe war den Generalstaaten ein Anliegen, für das sie späterhin auch bereit waren, Gewalt anzuwenden.35 Allerdings mussten die Niederländer hier vorsichtig agieren, denn auch das Vasa-Königreich sollte am Sund nicht zu übermächtig werden. Die militärstrategischen Grundlagen der Kaiserlichen für die Passauer Konferenz basierten auf einen von Matthias Gallas ausgearbeiteten Plan. Denn wie üblich ließ und ausführlich bei Im ml er, Gerhard: Kurfürst Maximilian I. und der Westfalische Friedenskongress. Die bayerische auswärtige Politik von 1644 bis zum Ulmer Waffenstillstand (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 20. Münster 1992), S. 27-36, der Text der Passauer Militärkonferenz vom 19. Febmar 1644 ediert auf S. 498-507. 30 HHStA, KrA fasz. 115, fol. 325 f., der bayerische Hofkammerpräsident Johann Mändl an Ferdinand III., s.l. 18. März 1644. 31 StOAD, FKG, Ka. 377, Gallas an Ferdinand III., Smirschitz/Smifice 12. Februar 1644. 32 HHStA, KrA fasz. 115, fol. 49-54, Kaiserliche Instruktion für Kurz und Hatzfeld für die Konferenz von Passau, Wien 7. Februar 1644. 33 Dazu vgl. Lorenz : Dänische Friedensvermittlung, S. 44. 34 Dazu vgl. Böhme: Leimart Torstensson, S. 52. 35 Vgl. dazu Israel, Jonathan L: Dutch Primacy in World Trade 1585-1740. (reprinted) Oxford, S. 146-149. 38

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