Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Territorien untergebracht werden durften. So kamen im Winter 1643/44 die böhmischen Bergstätte Kuttenberg/Kutnä Hora und St. Joachimstal/Jachymov in den Genuss einer gänzlichen Befreiung von Einquartierungen.22 Aber nicht nur die Unterbringung der Truppen bereitete Sorge, sondern auch die Finanzierung der Armee stellte ein riesiges Problem dar. Aufgrund des energischen Einspruchs des neutralen Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm23, musste Gallas sogar auf Befehl des Kaisers die bereits in den kurfürstlichen Ländern eingetriebenen Kontributionen (Steuerabgabe zur Kriegsfinanzierung24) zurückerstatten.25 Der verantwortliche Armeekommandant konnte daher weder beliebig nach taktischen Grundsätzen noch nach logistischen Bedürfnissen die Truppen unterbringen oder finanziell versorgen, sondern hatte es immer wieder mit Sonderregelungen und Ausnahmen zu tun. Die kaiserlichen Exemtionen hinsichtlich Winterquartiere und Kontributionen, die das Reichsoberhaupt schon aus politischen Gründen aussprechen musste, schränkten den Handlungsspielraum des Oberbefehlshabers stark ein. Die weiteren Kriegsoperationen wurden sodann mit Vertretern Kurbayems und Spaniens auf einer Konferenz in Passau beschlossen, die im Februar 1644 stattfand.26 Dort wurde eine Offensive gegen die französischen Truppen am Oberrhein beschlossen, die vor allem von Bayern getragen werden musste.27 Die Franzosen unter ihrem neuen Oberbefehlshaber, dem später berühmten Henri de la Tour d'Auvergne, Vicomte de Turenne, schienen sich von der Niederlage bei Tuttlingen, bei der immerhin viele der höheren Offiziere in Gefangenschaft gerieten und fast alle Nachschubgüter und Geschütze verloren gingen, schneller zu erholen als erwartet.28 Unterstützung für die eigenen Pläne durfte man sich an der Donau vom bayerischen Kurfürsten Maximilian I., der in Frankreich aufgrund seiner unerschöpflichen finanziellen Mittel ohnehin die weit größere Bedrohung sah als in Schweden29, daher nicht erwarten. Weit mehr erhoffte sich der bayerische Kurfürst Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644 22 StOAD, FKG, Ka. 375, Ferdinand III. an Gallas, Wien 30. Dezember 1643. 23 Zur Neutralität des Kurfürsten vgl. Opgenoorth, Emst: Friedrich Wilhelm. Der große Kurfürst von Brandenburg. Eine politische Biographie. I. Teil: 1620-1660, Frankfurt/M.-Zürich 1971, S. 92-102. 24 Zu diesem Begriff vgl. Ritter, Moriz: Das Kontributionssystem Wallensteins. In: Historische Zeitschrift 90 (1903), S. 193-249; Salm, Hubert: Armeefinanzierung im Dreißigjährigen Krieg. Der Niederrheinisch-Westfalische Reichskreis 1635-1650 (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 16. Münster 1990), bes. S. 22-26 und Redlich, Fritz: Contributions in the Thirty Years' War. In: Economic History Review XII (1959/60), S. 247-254. 25 KA, AFA 1644 IV 44, Ka. 117, Schreiben Matthias Gallas, Prag 26. April 1644 und KA, AFA 1644 II 18, Ka. 117, Friedrich Wilhelm an Ferdinand III., Cölln an der Spree 20. Februar. 26 StOAD, FKG, Ka. 375, Ferdinand III. an Gallas, Wien 31. Dezember 1643. 27 StOAD, FKG, Ka. 377, Ferdinand III. an Gallas, Wien 5. Februar 1644. 28 StOAD, FKG, Ka. 376, Maximilian von Bayern an Gallas, München 29. Januar 1644. 29 Vgl. dazu Kraus, Andreas: Maximilian I. Bayerns großer Kurfürst. Graz-Wien-Köln 1990, S. 265 f; Albrecht, Dieter: Maximilian I. von Bayern 1573-1651. München-Wien 1998, S. 990 37

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