Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Robert Rebitsch Hauptarmee musste das kaiserliche Heer das vorsichtige, defensive Taktieren in Böhmen beenden, mit dem es sich fast das ganze Jahr 1643 beschäftigte. 2. Die militärischen Vorbereitungen und Planungen des Feldzuges Mit einer schnellen Winteroffensive, wie sie zunächst dem obersten Kriegsherrn Ferdinand vorschwebte, wurde es also nichts. Der aus dem Trentino stammende kaiserliche Generalleutnant Matthias Gallas (1588-1647)19, durch seinen Sieg von 1634 bei Nördlingen ein enger Vertrauter des Kaisers, bekam am 26. Dezember 1643 den Befehl für die Winterquartiere.20 In den Winterquartieren, die in den habsburgischen Erblanden eingerichtet werden mussten, sollten bereits die ersten Vorbereitungen für den Feldzug getroffen werden. Die ausgedünnten Regimenter mussten reformiert, also durch schwache Verbände aufgefüllt werden, was einer Reduzierung der Anzahl der Verbände gleichkam. Aus 50 Kavallerieregimentern sollten 39 werden, von 23 Infanterieregimentem sollten 19 voll aufgefüllt übrig bleiben. Während der Winterpause, die begrenzte militärische Operationen wie Störaktionen und Überfälle nicht ausschloss, legte das Reichsoberhaupt wie immer besonderen Wert auf gute Disziplin und Ordnung, sowie auf ein tadelloses Verhalten der Soldateska in den eigenen Reihen und gegenüber der Zivilbevölkerung21, was natürlich reines Wunschdenken blieb. Gute Winterquartiere zu finden war allerdings für den Oberbefehlshaber kein leichtes Unterfangen. Zum einen waren weite Teile des Landes bereits arg verwüstet und dementsprechend ausgezehrt, zum anderen suchten etliche Reichsstände, Herrschaften und Stifte um eine Schonung des Landes an. Das hieß, gesetzt den Fall es wurde vom Kaiser genehmigt, dass keine oder nur wenige Verbände in diesen 19 Zum kaiserlichen Generalleutnant, der als Stellvertreter des obersten Kriegsherrn (Kaiser) die Hauptarmada von 1634 bis 1639, von 1643 bis 1646 und noch einige Monate 1647 befehligte, vgl. Bergmann, Joseph: Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des österreichischen Kaiserstaates, vom XVI. bis zum XIX. Jahrhundert. Wien 1858, S. 278-317; Hallwich, Hermann: Gallas. In: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (Leipzig 1878), S. 320-331; Becker, Rotraut: Galasso (Gallas), Mattia (Matthias). In: Dizionario Biografico degli Italiani 51 (Roma 1998), S. 355-359; Findeisen: Der Dreißigjährige Krieg, S. 309-316 und Rebitsch, Robert: Matthias Gallas und die Liquidierung Albrechts von Wallenstein. In: Innsbrucker Historische Studien 23/24 (2004), S 325-378. 20 StOAD, FKG, Ka. 375, Ferdinand III. an Gallas, Wien 26. Dezember 1643 und HHStA, Kriegsakten [in Hinkunft: KrA], fasz. 114, fol. 167-171, Extrakt aus der kay. Resolution vom 26. Dezember 1643 an Genlt. Gallas über die Dislokation der kaiserl. Völker. 21 Zum schwierigen Verhältnis der Soldateska zur Zivilbevölkerung vgl. Kaiser, Michael: Inmitten des Kriegstheaters. Die Bevölkerung als militärischer Faktor und Kriegsteilnehmer im Dreißigjährigen Krieg, in: Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit. Hrsg, von Bernhard R. Kroener und Ralf Prove. Paderbom-München-Wien-Zürich 1996, S. 281-303 und derselbe: Die Söldner und die Bevölkerung. Überlegungen zu Konstituierung und Überwindung eines lebensweltlichen Antagonismus, in: Stefan Kroll/Kersten Krüger (Hrsg ), Militär und ländliche Gesellschaft in der frühen Neuzeit (= Herrschaft und soziale Systeme in der Frühen Neuzeit. Band 1. Hamburg 2000), S. 79-120. 36

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