Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen Zweckbestimmung,46 obwohl der allgemeine Dispositionsfond des Staatsministeriums 1865 nur unter Voraussetzung, um wenigstens 20 000 fl erhöht zu werden, zur Übernahme bereit war. Die Flüchtlingsunterstützung wurde um diesen Betrag erhöht.47 Die Förderung griechisch-orthodoxer Geistlicher in Montenegro Im Jänner 1853 wurde Generaladjutant v. Kellner mit Vollmachten zu Baron Mamula geschickt. In seinem Bericht an den 1. Generaladjutanten Gf. Grünne48 hob Kellner hervor, dass seit dem Tod des Vladika (Nov. 1851) Montenegro noch keinen griechisch-orthodoxen Oberhirten habe. Die Funktionen wurden vom ältesten Archimandriten des Landes ausgeübt. Österreich hatte in den letzten Dezenien nicht beachtet, dass die Orthodoxen in Montenegro und im Cattareser Kreis, nachdem sie sich vom Patriarchen von Konstantinopel losgesagt hatten, im Geheimen den russischen Zaren als Beschützer und Oberhaupt anerkannten. Russland hat die kurze Zeit der Besitznahme des Kreises von Cattaro im Jahre 1807 benützt, sich die griechisch orthodoxe Geistlichkeit in Montenegro und Dalmatien durch jährliche und regelmäßige Geldunterstützungen weiterhin abhängig zu machen. Der Fürst Vladika von Montenegro erhielt von Russland jährlich 40 000 fl, außerdem erhielten mehrere Klöster Unterstützungen. Theoretisch unterstanden die orthodoxen Geistlichen in Österreich dem Karlowitzer Metropoliten, aber Österreich konnte den Einfluss nicht steuern. Die griechisch orthodoxe Kirche war in Österreich sehr arm. Die Popen lebten armselig. Der Bischof zu Zara, Mutibarich, wurde verachtet, besonders seit seinem Abenteuer mit der Sängerin Gentiluomo in Wien. Sollte der jetzige Fürst die Vladikawürde annehmen, schlug Kellner eine jährliche Geldspende für ihn oder den jeweiligen Oberhirten vor.49 Mit AE vom 16. Oktober 1820 wurde dem Gouverneur von Dalmatien jährlich ein Betrag von 2 000 fl zur Unterstützung des Metropoliten in Montenegro zur Verfügung gestellt. Die Spende sollte durch den Einfluss des Metropoliten ein gutes Einvernehmen mit der Grenzbevölkerung aufrecht erhalten. Anfang des Jahres 1829 berichtete dieser, in den 46 Generaladjutantur des Kaisers, Graf Crenneville an Außenminister Graf Mensdorff, Ofen, 20. Febr. 1866, Nr. 570.676. AR F 27/46. 47 Abschrift einer Note des Staatsministers Ritter v. Schmerling, 20. Juli 1865, Nr. 2.677 an den 1. Generaladjutanten Seiner Majestät des Kaisers Feldmarschallleutnant Grafen v. Crenneville. AR F 27/46. 48 Grünne Karl Ludwig, Graf (1808-1884), Kammervorsteher, dann Generaladjutant des Kaisers Franz Joseph : August 1848-20. Okt. 1859, dann Oberststallmeister bis Nov. 1875; General der Kavallerie. Redlich, Joseph: Kaiser Franz Joseph von Österreich. Berlin 1929, S. 476. 49 Kriegsarchiv Wien, MKSM 1853: Nr. 1 359. GM Kellner an Graf Grünne, Cattaro, 6. Feber 1853. 159