Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen informiert und Omer Pascha verständigt.33 Mamula wurde ermächtigt, an die Montenegriner auf deren Verlangen von den in Zara vorhandenen alten 4 000 Gewehren in nicht auffälliger Weise abzugeben. Die Türken kauften ebenfalls ihren Schießbedarf in den k. k. Verschleißstellen zu Cattaro und Budua (Budva). Mamula möge wegen dieser Duplizität Indiskretion vermeiden. Am 22. Jänner 1853 entschloss sich die Militärkanzlei des Kaisers, Montenegro sechs der dreipfündigen Kanonen aus Fiume (Rijeka) zu übergeben und über die Grenze schaffen zu lassen. Vorher musste der schwarzgelbe Anstrich durch aschgrau ersetzt werden. Auf Verlangen sind Montenegro Pulver, Flintenkugeln, ebenso Munition für drei- und sechspfündige Geschütze nach Bedarf als großmütige Geschenke abzugeben. Am 6. Feber wurde der Verlegungsbefehl ausgefertigt. Mamula durfte außerdem nach eigenem Ermessen eine Begnadigung für Verbrechen von Montenegrinern aussprechen, die früher auf österreichischem Gebiet begangen und noch nicht bestraft worden sind.34 Auf Mamulas Antrag wurde ihm eine Lieferung angekündigt: von 337 Stück einlötigen Jägerstutzen mit Steinschlössern samt Requisiten nebst 600 Pfund Scheibenpulver, 22 Zentner Plattenblei und 70 000 zweizöllige Kugelpflaster und 6 dreipfündige Feldgeschütze mit 100 Kugel- und zehn Kartätschpatronen. Eine Unterstützung der Montenegriner mit einer Raketenbatterie lehnte Mamula ab.35 Mamula kümmerte sich bereits im Jänner um Lebensmittelnachschub für die erwarteten Flüchtlinge in Dalmatien. In Erwartung von Knappheit an Lebensmitteln und Preissteigerungen schlug er 200 000 Portionen Schiffszwieback vor, wie ihn die k. k. Kriegsmarine verwendete. Das wurde vom Kaiser sofort genehmigt und gleich mit der Auslieferung begonnen.36 33 Kriegsarchiv Wien: MKSM 1853 Nr. 222, Wien 18. Jänner 1853 an 1) v. Kellner 2) Frh. Mamula, Konzept, über die Vorkehrungen zur Sicherung der österreichischen Grenze. Vgl. Gerba R., a.a.O., S. 114-138: Kiek u. Suttorina waren türkische Enklaven, die bis ins 18. Jahrhundert zur ehemaligen Republik Ragusa gehörten, die unter türk. Oberhoheit stand. Über die türk. Erwerbung wurde im Archiv von Ragusa und Venedig kein Beleg gefunden. Unter Napoleon I. gehörten die Erdzungen Kiek u. Suttorina zum Königreich Myrten, das durch den Wiener Kongress an den Kaiser von Österr. abgetreten wurde. Ab 1850 wollte die Türkei ihre Rechte zur Geltung bringen, was sicherheitspolitisch vom österreichischen Militär abgelehnt wurde. 34 Kriegsarchiv Wien: MKSM 1853: Nr. 276 sep. An Generalmajor Baron Mamüla zur eigenhändigen Eröffnung, Wien, 22. I. 1853, Konzept. MKSM 1853, Nr. 498: an Erzherzog Wilhelm Generalmajor, Wien, 6. Feber 1853. 35 Kriegsarchiv Wien: MKSM 1853, Nr. 498: Weisung an Generalmajor Baron Mamula zur eigenhändigen Eröffnung. Wien, 7. Febr. 1853, Konzept. 36 Kriegsarchiv Wien: MKSM 1853, Nr. 222: Generalmajor Kellner an Feldmarschallleutnant und 1. Generaladjutanten des Kaisers, Graf Grünne, Cattaro, 12. Jänner 1853. MKSM 1853, Nr. 386: Generalmajor Mamula an Graf v. Grünne, Cattaro, 22. I. 1853; Grünne an den Kriegsminister, Wien, 155