Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)

DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen

Engelbert Deusch wurden türkische Truppen in der Hercegovina und Albanien gegen Montenegro konzentriert. Am 26. Dezember 1852 wurde in Sarajevo sogar der „heilige Krieg“ verkündet. Die türkische Regierung hatte über die albanische Küste von Dulcigno (Ulcinj) bis zur österreichischen Grenze den Blockadezustand verhängt und suchte ihn durch Kriegsschiffe7 zu überwachen. Aus der Hercegovina rückten 13 000, aus Albanien 9 000 Mann mit 33 Geschützen gegen Montenegro vor. Fürst Danilo war anfangs kaum im Stande 3 000-4 000 Verteidiger entgegenzustellen, doch begünstigte ihn das gebirgige Gelände.8 Das Memorandum des Oberstleutnants Stratimirovich Ende des Jahres 1852 wurde Oberstleutnant Stratimirovich9 vom österreichischen Außenminister Boul Schauenstein10 aufgefordert, ein gedrängtes Memorandum über Serbien und Montenegro zu verfassen. Nachfogend die Darstellung des Oberstleutnants Das erste entscheidende Eingreifen Österreichs in den von Südslaven bewohnten Gebieten geschah gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als nach vorhergegangener Aufforderung durch die kaiserliche Regierung im Jahre 1690 zahlreiche Scharen von Serben1 11 unter Führung des Ipeker Patriarchen, Arsenius Cemojevic,12 über die Donau und Save kamen und in Südungam unter Gewährung einer kirchlichen und politischen Autonomie angesiedelt wurden. Aus dem genauen Studium, der leitenden Idee dieser Staats-Verträge, kann man deutlich ersehen, dass Österreich damals ernstlich an die Eroberung der türkisch südslavischen Länder dachte, indem es den Serben diese sogenannten Privilegien nur temporär, und der ausdrücklichen Beisage ,Bis zur Befreiung ihres Vaterlandes vom türkischen Joche’ verlieh. Für jene Zeit war diese von dem als Staatsmann und Heerführer gleich großen Prinzen Eugen gegen die unteren Donau-Länder gerichtete Politik, um in den Serben ein erwünschtes Widerstandselement gegen die damals furchtbare Macht der Osmanen zu gewinnen ohne Zweifel die richtige und vom Erfolg gekrönte. Die eingewanderten Serben bildeten seit 1690 ihr spezielles Korps mit eigenen Kommandanten und haben sich, wie aus 1 Fregatte, 4 Korvetten, 3 Briggs, einer Dampf-Fregatte, 3 Dampf-Korvetten und 2 Transportschiffen. 8 G e r b a, Raimund: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853. In: Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs, Neue Folge, Wien 1. Bd. (1887), S. 83-159, S. 88-100. 9 = Stratimirovid, Djordje (Georg) von, *19.2.1822 in Neusatz (Novi Sad), fl5.12.1908 in Wien; serbischsprachiger General und Politiker in österreichischen Diensten, vgl. Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, München 1981, Bd. IV, S. 212. 1(1 Buol-Schauenstein, Karl Ferdinand, Graf (1797-1865), österreichischer Minister des Äußern und Präsident des Ministerrates 11.4.1852-17.5.1859. Redlich, Joseph: Kaiser Franz Joseph von Österreich. Berlin 1929, S. 471. 11 Etwa 30 000 Familien, vgl. Zöllner, Erich: Geschichte Österreichs, S. 255. 12 = Arsenije 111. Cmojevid (1633-1706); 1669 Metropolit von Ped, 1690 flüchtete er mit 70 000-80 000 Serben nach Ungam. 142

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