Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)

DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen

Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen zahlreichen und urkundlichen Anerkennungen österreichischer Regenten, insbesondere Leopold I., Josef I., Karl VI., Maria Theresiens hervorgeht, jeder Zeit durch ihre Tapferkeit für das Haus Habsburg hervorgetan. Die aus der Türkei auf österreichischen Boden herübergekommenen Serben mußten sich innerhalb der Grenzen der großen Monarchie um so heimischer fühlen, als die Provinz Serbien, welche von früher her zur ungarischen Krone, gewissermaßen als Ursitz der Serben betrachtet werden darf, wo sich die heiligsten Erinnerungen südslavischer Geschichte in ihren altberühmten Klöstern und anderen Denkmälern vorfinden. Die damalige zweckmäßige Politik des Prinzen Eugen benutzte diesen Österreichs Einfluß begünstigenden Umstand, und im Jahre 1718 des Passarowitzer13 Friedens sehen wir das ganze Fürstentum Serbien um die Walachei bis zu der Aluta [Olt] dem österreichischen Staatsgebiete einverleibt, um diese Zeit neigte sich der ganze Schwerpunkt serbischer Nationalität auf die Seite Österreichs, die Vortheile, die ihm daraus erwuchsen, waren gewichtig, und der verderbliche Belgrader Friede vom Jahre 1739, in welchem diese Provinzen ohne Noth an die Pforte wieder zurückerstattet wurden, war mehr als eine momentane Demütigung Österreichs, es war eine politische Sünde, deren Folgen man erst nach einem Jahrhundert, durch das Einlenken in die naturgemäße Politik wieder zu paralysieren versuchte. Die Geschichte dieses Zeitraumes weist uns deutlich nach, inwiefern man sich all der Vortheile entäußerte, welche ein enges Anschließen der Interessen der Südslaven an die Österreichs diesem Staate bringen mußte. Unter all den Mißgriffen der falschen Politik will ich einen hervorheben, weil er das Eingreifen einer anderen Großmacht in die Schicksale Österreichs und seinem Einfluß auf die europäische Türkei, nämlich Rußlands, wesentlich zu begründen begann. Es ist dieses die seit der Regierung der sonst großen Maria Theresia mächtig angewachsene Intoleranz und Verfolgung der katholischen Staatskirche gegenüber den Griechisch Orthodoxen; die Folge davon war, daß in dem Zeitraum von 1740 bis 1780 über 10 000 serbische Familien nach Rußland auswanderten und dort ausgedehnte Kolonien unter dem Namen Neu-Serbien gründeten. Als ferner durch das Aufheben der Illyrischen Hofkanzlei im Jahre 1791 die verbriefte Selbst-Administration der serbischen Nation zu Gunsten Ungarns beseitigt wurde, verschwanden die Spuren der weisen Eugen'schen Politik als natürliche Folge als Aufgeben derselben - die ungarische Revolution im Jahre 1848 erfolgen mußte. Bevor ich zu diesem verhängnisvollen Jahre komme, wo Österreich wieder in die Bahnen einlenkte, in welchen es durch die Aufnahme der Serben 1690 und durch den Passarowitzer Frieden im Jahre 1718 gewandelt und die es zu seinem Nachteile verlassen, will ich in kurzer Skizze die Ereignisse seit dem Beginnen der Befreiungskriege von Türkisch-Serbien in ihren Beziehungen zu Österreich und Rußland schildern. Im Jahre 1804 begann der serbische Befreiungskrieg, welcher, wie man nicht vergessen darf, einen streng orthodoxen Charakter an sich trug, und das Prinzip der Verteidigung des Christentums gegen die muselmännische Unterdrückung auf seine Fahnen heftete. Hier bot sich für Österreich eine günstige Gelegenheit dar, auf die serbische Nationalität vorteilhaft einzuwirken und Sympathien zu gewinnen, um so leichter, als der Befreier Serbiens, Kara Georg,14 früher in österreichisch kaiserlichem Militärdienst stand, und tausende österreichischer Serben ihren Stammesbrüdern zu Hilfe eilten. 13 Passarowitz heute Pozarevac, heutige Namen wurden von mir in Klammer angefügt. 14 Kara Georg = Karadjordje: *um 1768, f 1817; Führer der Serben im 1. Aufstand 1804-1813, Stammvater der Dynastie Karadjorjevic. 143

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