Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 50. (2003) - 200 Jahre Russisches Außenministerium

ISCHENKO, Viktor: Der russische Botschafter Rasumofsky. Mensch und Politiker

DER RUSSISCHE BOTSCHAFTER IN ÖSTERREICH A. RASUMOWSKI: MENSCH UND POLITIKER Viktor Istschenko Der Weg nach Wien Das Leben eines jeden Menschen kann man als eine Verknüpfung von angeneh­men, nicht so angenehmen und unangenehmen Umständen darstellen. Ihre Gesamt­heit, mittels einer wundersamen Kombination objektiver und subjektiver Gründe vor dem Hintergrund politischer, wirtschaftlicher und kultureller Prozesse, die in diesem oder jenem Land vor sich gingen, erklärt, bildet die Grundlage für eine Richtung der Geschichtswissenschaft, die „Geschichte des Privatlebens“ genannt wird. Diese Richtung wird in den letzten Jahren aktiv vorangetrieben. Dieser Vor­trag soll einen Versuch darstellen, sehr lakonisch (im Rahmen des vorgeschriebenen Reglements) die wichtigsten Wegabschnitte im Leben des Grafen (später Durch­lauchten Fürsten) Andrej Rasumowski aufzuzeigen, der fast sein ganzes Leben in Wien verbrachte und Russland diente; er soll aber auch versuchen, dessen Tätigkeit vor dem Hintergrund der damaligen Ereignisse zu analysieren. Zur Einführung sei angemerkt, dass das Interesse des Autors an dieser histori­schen Persönlichkeit, die an der Wende des 18. - 19. Jahrhunderts die russisch­österreichischen Beziehungen in bedeutendem Maße beeinflussen konnte, durch eben diese Verknüpfung von Umständen der Zeit und des Ortes, die später noch zu benennen sind, hervorgerufen wurde. Die Geschichte der russischen Diplomatie so wie die Geschichte der russisch­österreichischen Beziehungen kann man sich heute unmöglich ohne eine Figur, wie sie Andrej Rasumowski gewesen ist, vorstellen. Unlängst, am 22. Oktober dieses Jahres, jährte sich zum 250. Mal sein Geburtstag. Er wurde 1752 in der ukraini­schen Kleinstadt Gluchow in der Familie des letzten ukrainischen Hetmanns und späteren bedeutenden Höflings Katharinas II. geboren In seiner Kindheit ließ man ihm, gemeinsam mit seinen Brüdern, eine Petersburger Erziehung angedeihen. Hier freundete er sich mit seinem Alterskameraden, dem jungen Thronerben und Groß­fürsten Pawel Petrowitsch, dem späteren Zaren Pawel I. an. In seinem 85-jährigen Leben erlebte er die Regentschaft mehrerer russischer Monarchen: Katharina II., Pawel L, Alexander I. und Nikolaj L, doch eben das besondere Verhältnis zu Pawel I. führte in entscheidendem Maße dazu, dass die russische Diplomatie in Andrej Rasumowski einen in ganz Europa bekannten Menschen gewann und Österreich eine markante Persönlichkeit, die bei weitem nicht die letzte Rolle im politischen und kulturellen Leben der österreichischen Hauptstadt spielte und sein Leben auf immer mit dem Land verband. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 50/2003 79

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