Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

TEPPERBERG, Christoph: Das Militärmatrikelwesen in Österreich

Das Kriegsarchiv hatte sich damals wiederholt um die Übernahme der Militär- matriken bemüht, insbesondere wegen des provenienzmäßigen Zusammenhanges mit dem von ihm verwahrten Archiv des Apostolischen Feldvikariats und des per- tinenzmäßigen Zusammenhanges mit den Registraturen des Hofkriegsrates und des Kriegsministeriums sowie den Musterlisten und der Grundbuchsevidenz der k. (u.) k. Armee. Schließlich gelang es dem damaligen Leiter der Bestandsgruppe „Personalunterlagen“ des Kriegsarchivs, Oberrat Dr. Rainer Egger unter dem Di­rektor Hofrat Dr. Otto Friedrich Winter, in eingehenden Verhandlungen mit dem damaligen Leiter der Abteilung 4 des Innenministeriums, Ministerialrat Dr. Walter Zeyringer, das Innenministerium von der Sinnhaftigkeit des Standpunktes des Kriegsarchivs zu überzeugen. So wurden die Militärmatriken durch das Personenstandsgesetz vom 19. Jänner 1983 mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 1984 dem Österreichischen Staatsarchiv zur dauernden Aufbewahrung übergeben:'" • Das Bundesministerium für Inneres hat nach Inkrafttreten dieses Bundesgesetzes dem Österreichischen Staatsarchiv neben den Militär-Matrikeln (Heeres- Matriken) alle anderen von ihm verwahrten Militärevidenzen zu übergeben (§ 71 )­• Gegen Bescheide, die das Österreichische Staatsarchiv in Besorgung der ihm durch dieses Bundesgesetz übertragenen Aufgaben erlässt, steht ein ordentliches Rechtsmittel nicht zu (§ 41 Abs. 8). Am 2. Jänner 1984 erfolgte die tatsächliche Übernahme der Militärmatriken und der Verlustunterlagen des Ersten Weltkrieges durch das Kriegsarchiv. Die Bestände kamen jedoch nicht in die Stift-Kaserne, sondern verblieben weiterhin am Standort Karl Schweighofer-Gasse.w Erst im Jahre 1992 wurden sie, anlässlich der Über­siedlung in das neue zentrale Archivgebäude des Österreichischen Staatsarchivs, räumlich mit den anderen Beständen des Kriegsarchivs vereinigt. Der heutige Bestand „Militärmatriken“ im Kriegsarchiv Wien Wie erwähnt, bilden die im Kriegsarchiv verwahrten Militärmatriken proveni­enzmäßig einen Annex zu den Akten des Apostolischen Feldvikariats. Im heutigen Bestand sind aus dem 17. Jahrhundert nur einige wenige Bände erhalten,"10 aus dem 18. und beginnenden 19. Jahrhundert nur einige Hundert. Der Großteil des Bestan­des besteht aus den Duplikaten, die nach 1816 regelmäßig an das Apostolische Feldvikariat eingesendet wurden und dort nach den Bestimmungen von 1869 als Originalmatriken fungierten. Die eigentlichen Originalmatriken (Nichtdupli­kate) stammen zum einen von aufgelösten Regimentern, Branchen und Korps, * 99 100 Das Militärmatrikelwesen in Österreich m Bundesgesetzblatt [in Hinkunft: BGBl.] vom 9. Feber 1983, 27. Stück, Nr. 60 (Personen­standsgesetz vom 19. Jänner 1983). 99 KA, Direktionsakten, ZI. 48/0-KA/1984. 100 KA, Militärmatriken, AB 03204 (1633, 1638 u. 1640 Niederländische Artillerie) und AB 03198 (1647 Spanische Artillerie). 87

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