Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
TEPPERBERG, Christoph: Das Militärmatrikelwesen in Österreich
Christoph Tepperberg deren Matriken nach den Bestimmungen von 1810 und 1815 an das Apostolische Feldvikariat abzuführen gewesen waren, zum anderen aber von vorwiegend auf dem Gebiete der heutigen Republik Österreich gelegenen matrikenführenden Stellen, die ihre Kirchenbücher nach 1918 nach Wien abzuführen hatten. Davon stammt wiederum ein erheblicher Teil von dem am 4. Februar 1920 aufgelösten Wiener Feldsuperiorat."11 Das Kriegsarchiv verwahrt also von manchen Formationen sowohl wirkliche Originale als auch Duplikate. Soweit im heutigen Bestand Originale als Original- matriken aufgestellt sind, werden die dazugehörigen Duplikate unter der Bezeichnung „Zweitbücher“ als lose Temions in Aktenkartons aufbewahrt. Dies lässt den Schluss zu, dass viele beim Apostolischen Feldvikariat eingelangten Duplikate, obwohl sie dort als „Originalmatrikeln“ aufzunehmen waren, in losen Lagen im Faszikel aufbewahrt wurden und erst nach 1918 zu Büchern gebunden worden sind. Der Großteil der bei der k. (u.) k. Armee entstandenen Originale (Nichtduplikate) wurde am Ende der Monarchie bei den zuständigen matrikelführenden Stellen, vor allen bei den Militärpfarren (Feldsuperioraten) verwahrt. Sie sind nach 1918 nicht nach Wien gelangt, sondern in den Nachfolgestaaten verblieben.101 102 * Darüber hinaus verwahrt das Kriegsarchiv Duplikate der Sterbematriken des Weltkrieges 1914-1918, die während der Zeit der Mobilisierung von den Seelsorgen der Kriegsformationen (Armeen, Korps, Divisionen, Brigaden, Militärspitäler etc.) nach Wien eingesendet worden waren. Wie erwähnt, gab es zwischen dem 1. Mai 1923 und dem 31. Dezember 1938 in Österreich neuerlich eine Militärma- trikelführung, nämlich die des österreichischen Bundesheeres. So befinden sich im heutigen Bestand auch die Originale und Duplikate der Matriken des ersten österreichischen Bundesheeres aus den Jahren 1923-1938/39. Die um das Jahr 1886/87 im Archiv des Apostolischen Feldvikariats verwahrt gewesenen Militärmatriken umfassten an die 1.500 Nummern aus den Jahren 1626-1883.Heute ist der Bestand durch die nach 1918 eingesendeten Weltkriegsduplikate und die Abführung diverser Originalmatriken auf etwa 8.000 Bände und 230 Aktenkartons angewachsen. Die Originale und Duplikate der Bundes- heermatriken machen dabei lediglich 92 Bände aus. Der Bestand ist durch eine umfangreiche Kartei, die noch im Bundesministerium für Inneres angelegt wurde, erschlossen. Diese Kartei wurde in den Jahren 1998101 KA, AAFV, Journal des Wiener Feldsuperiorats. 102 Nachweislich sind Militärmatriken noch vorhanden in den Militärarchiven zu Budapest, Prag und Tmava sowie im Staatsarchiv Zagreb; vgl. die Beiträge über die Militärakten der Nachfolgestaaten in dieser Festschrift. 1112 Oie.Standesregister in Ö s t erre i c h , S. 80; der aus dem Jahre 1626 stammende Band ist heute nicht mehr auffindbar. 88