Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
TEPPERBERG, Christoph: Das Militärmatrikelwesen in Österreich
Christoph Tepperberg Stelle der bisherigen Feldsuperioren 17 Militärpfarrem,'2 doch wurde in der Praxis die Bezeichnung „Feldsuperiorat“ beibehalten. Je nach Dislokation, Konfession und Sprachzugehörigkeit der im Pfarrbezirk befindlichen Truppen und Anstalten waren dem Militärpfarrer mehrere Militärkuraten und Militärkapläne zur Dienstleistung zugewiesen. Die Kuraten fungierten als selbstständige Seelsorger der Armeeanstalten, insbesondere der Gamisonsspitäler, während den Kaplänen ihr Amtsbereich nach Bedarf zugewiesen wurde. Insgesamt wurde der Militärklerus bedeutend reduziert. Die Zahl der Militärkuraten war mit 38, die der Militärkapläne mit 58 veranschlagt (darunter zwölf griechisch- katholische und 9 griechisch-orientalische). Überdies gab es 15 geistliche Professoren an bestimmten Bildungsanstalten. In kleineren Garnisonen übten weiterhin Zivilpfarrer subsidiarisch die Militärseelsorge aus.12 * 14 Von den systemisierten 12 evangelischen Gamisonsfeldpredigerstellen beider Konfessionen wurden nur 8 beibehalten und die Bezeichnung der Amtsträger von „Feldprediger“ in „Militärprediger“ umbenannt, wobei einer von ihnen den Titel „Militär-Superintendent“ führte. Für den Mobilisierungsfall waren pro Armee je ein katholischer Feldsuperior, ein evangelischer Feldprediger und ein Feldrabbiner systemisiert.15 Die Okkupation Bosniens und der Flerzegowina (1878) machte die Ernennung eines Militärpfarrers in Sarajevo nebst zwei Kuraten und sechs Kaplänen erforderlich. 1882 ernannte der Kaiser überdies einen Militär-Imam, dem bald ein Zweiter folgte.16 Die erwähnte Okkupation brachte 1883 eine Anpassung an die neue territoriale Gliederung und eine Präzisierung der Stellung der Militärpfarrer als „Hilfsorgane und Referenten des Korpskommandanten“. Die Zahl der Kuraten wurde auf 31 reduziert, dafür die der Kapläne - ohne die des Okkupationsgebietes - auf 60 erhöht. Die evangelischen Amtsträger wurden von „Militärprediger“ in „Militärseelsorger“ umbenannt und erhielten nach Konfessionen getrennte Amts12 KA, Kriegsministerium [in Hinkunft: KM] Präs. 45-3/1 aus 1869, Karton 301 (Präs. Nr. 43, 15. Jänner 1869); KA, Normalien-Sammlung, Militärimpressen, Chronologische Reihe: 1869, Karton 398; Normalverordnungsblatt für das k. k. (k. u. k.) Heer [in Hinkunft: NVBI.] vom 15. Jänner 1869, 3. Stück, Nr. 17; Kohl hepp, Emil: Gesetz- und Normalien-Sammlung für das k. k. Heer. Bd. 1-4. Teschen 1878-1884, Bd. 3, S. 2 - 4, Nr. 5; Wagner: Die k. (u.) k. Armee, S. 532 f.; B j e 1 i k : Militär-Seelsorge, S. 204; K i n z 1: Darstellung der historischen Grundlagen, S. 127. 1 In den im Kriegsarchiv verwahrten Matrikelbüchern heißt es: „Feldsuperiorat des [...] Pfarrbe- zirks.“ 14 15 16 62 Wagner: Die k. (u.) k. Armee, S. 532 f.;Die Kriegsmacht Oesterreichs, S. 307 f. Ebenda, S. 533. Ebenda, S. 534.