Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
JIRÁSKOVÁ, Alena: Die k. (u.) k. Militärakten im Militärarchiv Prag
Alena Jirásková VHA ist nur ein Teil der Schriftstücke betreffend tschechische Länder, die in die Tschechoslowakei im Rahmen der Archivtrennung übergeben wurden, hinterlegt: Reichskriegsministerium, Armeekorps Nr. I und Nr. IV sowie Siebenbürgisches Armee-Korpskommando. Aus oben erwähnten Gründen handelt es sich dabei um minder bedeutsames Archivgut mit begrenztem Umfang. In den Beständen des VHA sind auch schriftliche Materialien der Divisions- und Brigadekommandos vertreten. Konkret handelt sich um die Archivalien, die erst vom Ende des 19. Jahrhunderts und vor allem aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammen: Bestände von 8 Infanteriedivisionen (zusammen 10 Kartons) und 1 Kavalleriedivision (88 Kartons). Von den 76 Infanteriebrigadekommandos, die im ganzen Gebiet der Habsburgermonarchie disloziert waren, sind im VHA Bestände von 8 Kommandos hinterlegt. Analog dazu ist hier von den 19 Kavalleriebrigadekommandos nur der Bestand eines Kavalleriekommandos verwahrt. Von den 14 Feldartilleriebrigadekommandos sind nur 6 Kommandos in Bruchstücken erhalten geblieben. Eine kurze Erwähnung verdienen auch kleinere Bestände von regionalem Charakter: Archivalien der Militärstations-, Platz- und Festungskommandos. Eine spezifische Form stellen die Festungskommandos dar, die als Organe der militärischen Lokalverwaltung in befestigten Orten gegründet wurden. Ihr Wirkungskreis deckte sich mit dem Verteidigungsrayon der Festung. Die Wichtigkeit ihrer Stellung stieg vor allem während eines Krieges, als sich im Amtsbereich des Festungskommandanten die volle militärische Machtbeiugnis über alle Formationen, Behörden und Institutionen konzentrierte und für diese zur obersten Militärbehörde wurde. In Böhmen handelt es sich dabei um die Festungskommandos Hradec Král- ové (Königgrätz), Josefov (Josefstadt) und Terezin (Theresienstadt). Diese Archivalien bilden aber nur einen Torso. An diese Gruppe von Dokumenten kann man auch kleine Bestände der Wer- bungs- und Ergänzungsbezirkskommanden anreihen. Als chronologischen Meilenstein kann man das Jahr 1853 ansetzen. Die Kommanden hatten die Ergänzung des Heeres nach Bedarf durchzuführen und die Evidenz aller Militärpersonen im Bereiche des Ergänzungsbezirks zu führen, auch der Verstorbenen und deren Hinterbliebenen (Witwen, Waisen) sowie der Pensionisten. Eine sehr interessante Gruppe, vor allem aus der Sicht der Militärgeschichte, stellen die Kommandos der Infanterie-, Artillerie und Kavallerieregimenter dar. Leider kann man diese Bestände angesichts ihres geringen Umfanges nur als Illustration von Regimentsgeschichten heranziehen. Sie umfassen - mit kleinen Ausnahmen - nur Schriftgut aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Die älteren Materialien sind vor allem im Kriegsarchiv in Wien hinterlegt. Von den 102 Regimentern der gesamten österreichisch-ungarischen Armee sind im VHA die Bestände von nur 23 Regimentern verwahrt (vor allem Regimentskommandos oder -Stäbe). Mehr als die Hälfte sind nur Bruchstücke ehemaliger Regimentsarchive. Besonders er484