Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

JIRÁSKOVÁ, Alena: Die k. (u.) k. Militärakten im Militärarchiv Prag

wähnenswert sind die darin erhaltenen Regimentschroniken, Kriegstagebücher, Regimentsbefehle, Lageberichte und -meldungen inklusive Karten, Skizzen usw. Im VHA sind die Bestände von nur 6 Kavallerieregimentern hinterlegt. Von ih­nen ist nur ein Einziges so gut erhalten, dass er zumindest als Illustrationsmaterial dienen kann. Auch die Bestände der Artillerieregimenter sind sehr lückenhaft er­halten. Bescheidene Bruchstücke stellen die Bestände der Train- und technischen Truppen dar. Eine Ausnahme bildet der Bestand ,, Mineurkorps-Detachement in Josefstadt der die Tätigkeit dieser Formation fast von seiner Gründung an schil­dert (1808-1855). Eine relativ umfangreiche Gruppe von Dokumenten stellt das Justizschriftgut dar. Im VHA sind Bestände von Justizbehörden verschiedener Instanzen und Zu­ständigkeiten hinterlegt. Als einen der ältesten Typen militärischer Gerichtsbehör­den kann man die Truppengerichte bezeichnen. Ihre Gerichtsbarkeit erstreckte sich auf alle Truppenangehörigen bis einschließlich Oberstleutnant und betraf sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche Delikte. Leider umfasst deren schriftliche Dokumentation nur ein paar kleinerer Bestände, die vor allem Hilfsbücher enthal­ten. Die Tätigkeit der Truppengerichte wurde im Jahre 1868 eingestellt. Ihre straf­rechtlichen Agenden übernahmen die neu eingerichteten Brigadegerichte (deren Agenden 1870 auf die Gamisonsgerichte übergingen). Ihrem sehr kurzem Wir­kenszeitraum entspricht auch die sehr lückenhaft hinterlegte schriftliche Agenda. Zu den ältesten Typen militärischer Justizbehörden, die die Gerichtsbarkeit erster Instanz ausübten, gehörten die Garnisonsgerichte. Sie waren vor allem am Standort der Territorialkommandos, größeren Garnisonen und Festungen errichtet. Sie überlebten mehrere Reorganisationen und wurden erst mit der Einführung der neu­en Militär-Strafprozessordnung im Jahre 1914 aufgehoben. Das erhaltene Schrift­gut besteht vor allem aus Hilfsbüchem aus den Jahren 1816 bis 1914: Protokolle, Indizes und Tagebücher. Gerade in den Beständen der Gamisonsgerichte, die durch mehr als 130 Jahre fungierten, bestehen sehr auffallende Lücken. Von manchen sind gar keine Schriftstücke erhalten. Die überwiegende Mehrzahl von Archivalien stammt erst aus der Zeit ab dem Jahre 1909. Im Wesentlichen handelt sich dabei um die Registraturen der Gerichte erster Instanz, die minder wichtige Delikte ver­handelten. Teile der schriftlichen Agenda einiger hier angeführter Gerichte kann man auch im Bestand „ Gerichtsakten “ finden, in Materialien also, die unserer Republik im Rahmen der Archivtrennung übergeben worden waren. Diese Sammlung entstand aus der Dokumentation der mobilen Militärgerichte, die während der Mobilma­chung neben den ständigen Gerichten errichtet wurden. Laut der ursprünglichen Instruktionen sollten diese Feldgerichte den schriftlichen Niederschlag ihrer Tätig­keit bis zur Demobilisierung der zugehörigen Truppen verwahren. Diese Maßnah­me erwies sich aber angesichts der während des Krieges steigenden Menge von Schriftstücken als undurchführbar. Deshalb wurde Anfang 1917 ein Erlass heraus­Die k. (u.) k. Militärakten im Militärarchiv Prag 485

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