Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
JIRÁSKOVÁ, Alena: Die k. (u.) k. Militärakten im Militärarchiv Prag
DIE K. (U.) K. MILITARAKTEN IM MILITÄRARCHIV PRAG von Alena Jirásková (Prag - Praha) Die wichtigsten Materialien des Vojensky Historicky Archiv (VHA) aus dem ältesten Zeitraum sind die Bestände der territorialen Militärorgane (Generalkommandos) und der an sie anknüpfenden Korpskommandos in Böhmen und Mähren: Generalkommando Prag und Generalkommando Brünn. Laut Reskript des Hofkriegsrats vom 29. Dezember 1809 wurden die Generalkommandos zu höchsten militärischen Landesorganen, wo sich alle militärischen Angelegenheiten eines bestimmten Gebiets konzentrierten und denen alle Militärpersonen, Truppen, Militärinstitute, Militärbehörden und andere Militäreinrichtungen, die sich in diesem Gebiet befanden, unterstanden. Beide Bestände gehören zu den ältesten und umfangreichsten (Zeitspanne: 1723-1882; Prag: 1543 Kartons, Brünn: 968 Kartons). Im Jahre 1882 wurden anstatt der Generalkommandos die Korpskommandos als höchste Kommando- und Verwaltungsorgane eingeführt. In Böhmen wurden zwei Territorialdistrikte gebildet: der südwestliche (Nr. 8) mit dem Sitz des Korpskommandos in Prag und der nordwestliche (Nr. 9) mit dem Sitz des Korpskommandos zunächst in Josefov (Josefstadt), vom Jahre 1908 an in Litomérice (Leitmeritz). Das ganze Territorium von Mähren fiel zuerst unter die Militärverwaltung des Brünner Korpskommandos (Nr. 10). Im Jahre 1890 wurden der nördliche Teil des Landes zum territorialen Distrikt des Korpskommandos Nr. 1 mit dem Sitz in Krakau, der südliche zum territorialen Distrikt Nr. 2 mit dem Sitz in Wien angeschlossen. Dem entspricht auch die Hinterlegung des Schriftgutes im VHA: Zeitspanne 1883-1918; Grundsystem mit Teilung in vier Abschnitte: 1. Agenda des Präsidiums (Praes), 2. Agenda der Militärabteilung (MA), Agenda der Intendantur (Int), Agenda der Bauabteilung (BA). Das Schriftgut des 8. Korpskommandos ist fast zur Gänze erhalten (Umfang 1746 Kartons). Der Bestand 9. Korpskommando umfasst 460 Kartons. Das Schriftgut des 10. Korpskommandos ist in nur 52 Kartons hinterlegt. Die Bestände der Korpskommandos kann man vor allem zum Studium der Geschichte der Militärverwaltung benutzen, begrenzt auch zur politischen und Wirtschaftsgeschichte. Die hinterlegten Archivalien dokumentieren Ereignisse aller Art, mit denen die Militärkommandos befasst waren. In diese Gruppe der höheren Kommandos gehören auch die Bestände, deren Mehrheit von Archivalien sich in Wien, vor allem im Kriegsarchiv, befindet. In Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49/2001 483