Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
EGGER, Rainer: Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg
Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg Aber auch sonst hatte man im Kriegsarchiv nicht nur Freude mit den Sendungen aus dem Kriegsgebiet, denn anstatt Akten operativen Inhaltes an das Kriegsarchiv zu senden, benützen viele Kommanden und Truppen die Gelegenheit um die heterogensten Dinge, z. B. völlig wertlose Akten, alte Dienstbücher, Stationskommandobefehle aus der Friedenszeit, Verlustlisten, Hunderte von gleich lautenden Drucksorten, Bajonette, Faschinenmesser, ja sogar Wollwäsche und leere Petroleum- und Anisolflaschen an das Kriegsarchiv zu senden [...] .* In einem eigenen Befehl des AOK sollten diese Missstände abgestellt werden. Und diese Berichtigung des Dienstbuches E-53 entsprach auch dem fast gleichzeitig geäußerten Wunsch des Kriegsarchivsdirektors: In einer Eingabe vom 29. März 1915 an das AOK kritisierte General Woinovich die Bestimmungen des erwähnten Dienstbuches - die ohne Mitwirkung des Kriegsarchivs zu Stande gekommen waren - weil durch diese eine ganz unnötige Zerstückelung sachlich zusammengehöriger Archivalien eintreten könnte, die gewiss nicht im Interesse kriegsgeschichtlicher Forschung gelegen sein könne.* 9 * Bereits im November 1914 und dann im Februar 1915 hatte das Kriegsministerium Vorsorge getroffen, die für die spätere Geschichtsforschung wichtigen Archivalien zu sichern. Diese waren an das Kriegsarchiv abzugeben bzw. mit dem Vermerk „Kriegsakten - nicht zu skartieren“ zu versehen.11’ Die vom Kriegsarchiv übernommenen Feldakten gelangten zunächst in die Verwaltung der Archivdirektion, dann wurden sie aber an die dafür zuständige Schriftenabteilung übergeben, die sie getrennt vom Bestand „Alte Feldakten“ aufstellte. Bald sollten sich Platzprobleme ergeben." Auch die operativen Akten der beiden Landwehren sollten in das Kriegsarchiv gelangen, eine Einrichtung eigener Landwehr-Kriegsarchive in Wien und in Budapest wollte man verhindern, trotzdem entstand in Budapest eine eigene Aktensammelstelle aus der nur langsam Aktenmaterial nach Wien abgeliefert wurde.12 Unabhängig von dieser Auseinandersetzung über die Ablieferung der Weltkriegsakten an das Kriegsarchiv entwickelte dieses seine Pläne für die Darstellung der Geschichte des Krieges. Schon bald nach Kriegsbeginn plante Woinovich die Herausgabe eines populären Werkes über die gegenwärtigen Kämpfe, zur Durchführung dieser Arbeit hatte er im Kriegsarchiv eine kleines Komitee geschaffen. Einer aus dem deutschen Großen Hauptquartier kommenden Anregung folgend wünschte das k. u. k. AOK im November 1914 aber eine gemeinsame deutsch* KA, KM Präs. 75-11/6 ex 1915. 9 KA, Direktion ZI. 141/1915. 111 Ebenda; die Vermerke „Kriegsjahr, nicht skartieren" waren bis zur Einkartonierung der Kriegsministerialakten auf den Faszikeldeckeln zu sehen. " KA, Hoen-Chronik II, S. 40. 12 Ebenda, S. 48. 15