Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

EGGER, Rainer: Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg

Rainer Egger österreichische Bearbeitung dieser Kriegsgeschichte, die unter der Federführung des AOK ablaufen sollte, freilich kam es in dér Folge nicht zu einem Abschluss dieser Projekte, nicht zuletzt Gründe der militärischen Geheimhaltung verhinderten die Heranziehung von operativen Akten für wissenschaftliche Veröffentlichun­gen." Was aber von den ehrgeizigen Plänen des Kriegsarchivs blieb war eine „Literarische Gruppe“ im Archiv, die ab Ende November 1914 hier aufgebaut wur­de. Treibende Kraft hiebei war der Vorstand der Schriftenabteilung Oberst Alois Veltzé, dem es gelang zahlreiche Schriftsteller und schriftstellerisch begabte Offi­ziere für diese Arbeit zu gewinnen. Wieder stand das Kriegsarchiv im Dienste der Kriegspropaganda, besonderes Gewicht sollte auf die beispielgebende Haltung der Offiziere und auf ihre Heldentaten gelegt werden, es sollten aber nicht Einzelne über die Schar ihrer Mitkämpfer hervorgehoben werden sondern fortlaufend alle Waffengattungen und Standesgruppen in Betracht gezogen werden. Die von den Regimentern gestellten Belohnungsanträge konnten als Quelle für diese Berichter­stattung dienen. Wöchentlich sollte das Kriegsarchiv jeweils am Samstag dem Prä­sidialbüro des Kriegsministeriums entsprechende kurze Berichte zur Veröffentli­chung in den Tageszeitungen einsenden.* 14 Sie versahen den „Dicht-Dienst“ in der literarischen Gruppe des Kriegsarchivs, wie man höhnisch sagte und worüber sich auch Karl Kraus in den letzten Tagen der Menschheit ätzend lustig machte.1' Aus der Verwertung der Belohnungsanträge für kurze Zeitungsbeiträge wurden schließlich zahlreiche Veröffentlichungen, Bücher in den verschiedenen Sprachen der Monarchie.16 17 Neben offiziellen Schriften des Archivs erschienen auch manche private Arbeiten, in erster Linie solche, die der Initiative (und auch den persönli­chen Interessen) von Oberst Veltzé entsprangen. Zu dieser literarischen Kriegspropaganda kam ab August 1914 die Kriegsfilm- propaganda, die im Auftrag des Kriegspressequartiers vom Kriegsarchiv aus zu organisieren war, der Adjutant des Archivs, Hauptmann Karl Zitterhofer war nun maßgeblich mit diesen Filmangelegenheiten befasst." " KA, Direktion ZI. 725/1914; vgl. dazu Peball, Kurt: Literarische Publikationen des Kriegsar­chivs im Weltkrieg 1914 bis 1918. In: MÖStA 14 (1961), S. 240 - 260. 14 KA, KM Präs. 2-2/100 ex 1914. 15 He meeker, Wilhelm: Rilke in Wien. Begleitbuch zur Ausstellung „Haßzellen, stark im größten Liebeskreise" Rilke und das k. u. k. Kriegsarchiv. Wien 1998, S. 52 - 61; Kraus, Karl: Die letzten Tage der Menschheit, 111. Akt, 9. Szene. 16 Vgl. die Zusammenstellungen bei Peball: Literarische Publikationen, S. 240 - 260. 17 KA, Hoen-Chronik II, S. 50 und Beilagen 6 bis 20; im Mai 1917 ging die Kriegsfilm-Propaganda in die Kompetenz des Kriegspressequartiers über (Eb en da, II, S. 170 f.). 16

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