Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

EGGER, Rainer: Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg

DAS KRIEGSARCHIV VOM ERSTEN ZUM ZWEITEN WELTKRIEG von Rainer Egger Das Kriegsarchiv von 1914 war in vier Abteilungen gegliedert: in die kriegsge­schichtliche Abteilung, sowie in die Schriften-, Karten und Bibliotheksabteilung, wobei die unter der Leitung des Direktors stehende kriegsgeschichtliche Abteilung besonders hervortrat. In den Dienst-Vorschriften von 1876 und 1889 wurden die hier eingeteilten Offiziere verpflichtet, für alle ihre Arbeiten gewissenhafte und eingehende Quellenstudien zu betreiben. Vorgeschrieben war die kritische und vergleichende Durchsicht der ganzen auf den gegebenen Stoff bezüglichen Litera­tur und die eingehende Durchforschung der zugänglichen Archive und Bibliothe­ken, soweit in denselben Material für die zu bearbeitende Aufgabe zu erwarten war.1 Kurzum: was man sonst im Proseminar lernt, war hier in einer militärischen Dienstvorschrift festgelegt und daher (zumindest in der Theorie) auch durch Befehl zu erzwingen. Im Grunde nur ein Ausdruck der Aufgabe des Kriegsarchivs von Anfang an: es sollte Kriegsgeschichte schreiben und das dazu nötige archivalische Material sammeln (Akten, Landkarten, Bücher) und kritisch bewerten. Die Schrift­enabteilung (das eigentliche Archiv also) umfasste zu Beginn des 1. Weltkrieges drei große Gruppen (Sektionen genannt): die Feldakten, die Akten des Hofkriegs­rates (bis 1815) mit verschiedenen angeschlossenen Beständen und die Muster- und Standesakten der Armee (bis 1820).2 Bei Kriegsausbruch 1914 ging es zunächst nicht um die Übernahme von Schrift­gut der operierenden Armee, nur die resolvierten Belohnungsanträge waren nach einer Anweisung des Armee-Oberkommandos (AOK) vom 20. August 1914 an das 1 Di en s t-V orsc h ri ft für das k. und k. K ri egs - A rc h i v . Ausgegeben 1889; Nach­druck Wien 1899, S. 18 f. 2 Ebenda, Beilage „Anleitung zur Kenntnis, Aufsuchung und Benützung der Acten und histori­schen Behelfe der Schriften-Abtheilung des k. u. k. Kriegs-Archivs“, S. 1-65; Inventar des Kriegsarchivs Wien. Bd. 1.2. Wien 1953 (Publikationen des Österreichischen Staatsar­chivs, II. Serie: Inventare österreichischer Archive Vili), Bd. I, S. 7 f. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49/2001 13

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