Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

Otto Friedrich Winter: Zum Geleit

Otto Friedrich Winter rischen Objekts machte die Einbeziehung in den internationalen Kulturgüterschutz illusorisch. Es war daher klar, dass die bald einsetzenden Projekte für den Bau eines modernen Zentralarchivgebäudes im Kriegsarchiv zustimmend aufgenommen wurden. Die schwierigste Epoche hatte das Kriegsarchiv jedoch in den Jahrzehnten nach 1956 zu bestehen. Im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz war festgelegt wor­den, dass Dienstzeiten beim Militär und in paramilitärischen Organisationen sowie Zeiten der Kriegsgefangenschaft zur Bemessung der Pensionen herangezogen wer­den. Da sich bald herausstellte, dass nur ein geringer Teil der Pensionswerber über entsprechende Nachweise verfügte, wurde das Kriegsarchiv beauftragt, diesbezüg­liche Bestätigungen auszustellen. Obwohl die Erstellung amtlicher Bescheinigun­gen auf Grund der im Archiv vorhandenen umfangreichen Personalunterlagen zu den administrativen Funktionen seit jeher gehörte, war nun eine völlig andere Si­tuation gegeben. Um dem Auftrag gerecht werden zu können, mussten erst ein­schlägige Unterlagen beschafft werden. So wurden aus ganz Österreich die bei verschiedenen Stellen verwahrten Reste militärischen Schriftguts aus dem Zweiten Weltkrieg angefordert, provisorisch aufgestellt und, soweit möglich, für eine ratio­nelle Auswertung tauglich gemacht. Die Lückenhaftigkeit dieses Materials machte es nur in wenigen Fällen möglich, die beantragten Bestätigungen sogleich auszu­stellen. Für den Großteil mussten andere, aufwendige Wege beschritten werden, einmal die Einbehaltung der im Besitz der Antragsteller befindlichen Nachweise, dann jedoch die Einholung von Auskünften von den über entspreche Daten verfügenden Institutionen im Inland und im Ausland. So konnten fast alle Anträge positiv erle­digt werden. Die für diese neue, höchst aufwändige Aufgabe des Kriegsarchivs bewilligte Erhöhung des Personalstandes fiel so gering aus, dass zeitweise so gut wie alle Archivangehörigen mit der Bearbeitung von insgesamt Hunderttausenden von Anträgen befasst werden mussten. Die eigentliche archivarische Tätigkeit kam zeitweise fast zum Erliegen, nur mit Mühe war die Betreuung der Archivbenützer und die Beantwortung schriftlicher Anfragen aufrecht zu erhalten. Eine zusätzliche administrative Aufgabe ergab sich aus der Wiederzuerkennung des Ehrensoldes für Tapferkeitsmedaillenbesitzer des Ersten Weltkrieges, auch aus diesem Titel wurden vom Archiv tausende Bescheinigungen ausgestellt. Mit dem allmählichen Auslaufen dieses wichtigen Beitrages zur Bewältigung der Kriegsfolgen traten die archivischen und wissenschaftlichen Aufgaben wieder in den Vordergrund. Es konnten in beiden Bereichen bedeutende Leistungen erbracht werden, die in diesem Rahmen nicht im Einzelnen gewürdigt werden können. Sie haben entscheidend dazu beigetragen, dem Kriegsarchiv die ihm gebührende Stel­lung im österreichischen Archivwesen und auch auf der internationalen Ebene zu sichern. 6

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