Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
DOMNANICH, Renate: Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs als Quellen der genealogischen Forschung
Renate Domnanich Krankheit und Todesart fast immer ausgefullt, - bis in die Zeit um 1800 finden sich manchmal Lücken. Bei den aktiv dienenden Militärpersonen waren - wohl auch abhängig von den Umwelt- und Emährungsbedingungen - vorwiegend Lungentuberkulose, Lungensucht, Lungenentzündung, Nervenfieber, Abzehrung, Faulfieber, Ruhr und Cholera” Ursache für das Sterben in jungen Jahren. Erschreckend hoch war die Anzahl der Selbstmorde (durch Erschießen, Erhängen, Ertrinken und andere selbst zugefügte Gewalttaten). Wurde eine Leiche nicht gefunden, durfte keine Eintragung in den Sterbematriken erfolgen bzw. war diese zu annullieren.'4 Selten aber doch, wurde das gewaltsame Ableben - etwa als Folge eines (offiziell verbotenen) Duells - als Selbstmord oder natürlicher Tod getarnt.” Verhältnismäßig wenige Immatrikulationen sind über Hinrichtungen (bestätigte kriegsrechtliche Urteile) feststellbar. Als Todesursache bei Babys und (Klein-)Kindem wurde zumeist sehr indifferent „an den Fraisen“ eingetragen. Je fortschrittlicher die Medizin war, desto genauer wurden die Angaben.'6 Auch die Frauen der Militärpersonen blieben von den Viren und Bakterien nicht verschont. - Bei den Gebärenden führten Kindbettfieber, akute Blutzersetzung nach Totgeburten und weitere frauenspezifische Erkrankungen zum tragischen Tod. Eine Reihe weiterer Bestände des Kriegsarchivs, deren Aufzählung hier nicht vollständig sein kann, bieten die Möglichkeit, noch detailliertere Informationen über Militärpersonen herauszufiltem, insbesondere über Offiziere: * 36 " Auch ein Oberst und Regimentskommandant des IR Nr. 28 Franz Landgraf Fürstenberg konnte dieser Krankheit nicht entfliehen - er starb im Atter von 38 Jahren am 13. Oktober I 849 in Wien: KA, Militärmatriken, AB 01712, Juli bis Oktober 1849, fol. 11. 14 Vgl. KA, Militärmatriken, AB 05142: Feldsuperiorat Innsbruck, Sterberegister 1869-1911, fol. 28: Gestrichene Sterbeeintragung vom 10. Juni 1879 betreffend Josef Rogatsch, Offiziersdiener des IR Nr. 7, der in die Fluten des hoch angeschwollenen Innflusses gesprungen war. - Nachforschungen zur Auffindung der Leiche waren fruchtlos geblieben. ” Vgl. KA, Militärmatriken, AB 02928: Ulanenregiment Nr. 2, Sterberegister, fol. 66: Oberleutnant Ignaz Baron Schimding starb am 27. November 1820 an Dannbrand, Oberleutnant Georg Rudolf Baron Eberstein hatte sich am 25. November 1820 in der Sinnesverwirrung selbst entleibt. Tatsächlich war Eberstein von dem bereits schwer verwundeten Schimding im Pistolenduell erschossen worden. 36 Vgl. beispielsweise: KA, Militärmatriken, AB 01712: Infanterieregiment Nr. 28, Sterberegister 1845-1866, hier 1847, fol. 4: Der Sohn des Leutnants Edmund Schwarzer Edlen von Heldenstamm namens Karl Edmund verstarb im Alter von 7 Monaten „an Fraisen in Folge der Gehirnerweichung“; ebenda, 1854, fol. I: Der Sohn des Hauptmanns Carl Kirchner von Neukirchen namens Robert Georg verstarb im Alter von 5 Monaten 20 Tagen an „Magenerweichung laut T odtenbeschauzettel“. 106