Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

DOMNANICH, Renate: Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs als Quellen der genealogischen Forschung

Hatte der Gesuchte eine Militärschule absolviert, so kann eine Suche in den Un­terlagen der Militär-Erziehungs- und Bildungsanstalten recht informative Beurtei­lungen der Zöglinge zu Tage fördern. Von den Unterlagen des Niederösterreichischen Indicium delegatum militare mixtum sind für 1753 bis 1869 die Verlassenschaftsakten erhalten. Diese sind inso­fern aufschlussreich, als sie bisweilen Angaben über eine Reihe von Angehörigen eines Verstorbenen enthalten. Schließlich stehen uns für die Zeit des Ersten Weltkrieges verschiedenste Be­stände zur Verfügung, denen zumindest Einzelinformationen als Ausgangspunkt für weitere Forschungen entnommen werden können: Die Matrikenkartei (MK), eine alphabetisch-phonetische Kartei, führt zu den Sterbematriken des Ersten Weltkrieges. Damit erhalten wir relevante Daten der verstorbenen Militärperson: Charge, Truppenkörper, Geburtsjahr bzw. Altersanga­be, Geburtsort, Heimatszuständigkeit, Religion, Stand, Beruf, sowie Todesdatum, Todesursache und Ort des Begräbnisses. Die Totenkartei (TK) und der Phonetische Kataster der Kriegsverluste, ebenfalls alphabetisch-phonetische Karteien, liefern manchmal die einzigen im Kriegsarchiv verfügbaren Daten zu einer gesuchten Person. Der Phonetische Kataster ist auf Grund seiner extrem phonetischen Ordnung nur eingeschränkt benützbar. Manche Familiennamen sind in dieser aus unzähligen Papierstreifen bestehenden Kartei nur mit sehr viel Glück zu finden. Bei gezielten Angaben ist die Suche in den Kriegsgefangenen-Karteien (KGF), in den Verlustlisten der Truppenkörper (VL), den Kriegsgräber-Akten, aber auch in den verschiedenen Reihen der Krankenvormerkblätter der Militärspitäler angezeigt. Es kommt vor, dass die Suche nach dem Krankenvormerkblatt eines „Großvaters“, der durch einen Kopfschuss verletzt wurde, negativ verläuft. Hingegen kann man bei derselben Recherche auf ein Vormerkblatt stoßen, aus dem hervorgeht, dass der liebe Vorfahre wegen eines ausgedehnten Hautausschlages, ausgelöst durch man­gelnde Waschgelegenheit im Felde, im Spital behandelt wurde. In solchen Fällen ist aber durchaus die Chance gegeben, die Kopfschussverlet­zung in einem Belohnungsakt erwähnt zu finden. Diese Belohnungsakten für Mannschaften (MBA) und Offiziere (OBA) sind in erster Linie über Namenskartei­en zugänglich. Für das letzte Kriegsjahr sind auch die gedruckten Personalverord­nungsblätter für das Heer, die Landwehr und die Honvéd heranzuziehen. Das Kriegsarchiv kann keine „komfortablen“ Personalakten anbieten, die jeweils den kompletten Lebenslauf einer Militärperson abdecken. Jedoch werden sich mit etwas Geduld ausgestattete Forscher sicher freuen, wenn aus den Puzzleteilen der verschiedenen Bestände des Kriegsarchivs reichhaltige „Gesamtbilder“ entstehen. Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs 107

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