Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
DOMNANICH, Renate: Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs als Quellen der genealogischen Forschung
Ergänzungsbezirkskommando (Truppenkörper oder Heeresanstalt), assentiert, eingereiht, heimatsberechtigt in bzw. heimatszuständig“ usw. Ab 1869 ist für das Auffinden des Grundbuchsblattes die Kenntnis der „Heimatszuständigkeit“ des Gesuchten entscheidend. Insbesondere für die Stellungspflichtigen der Geburtsjahrgänge 1865 bis 1900 ist für eine effiziente Suche zusätzlich die Angabe des genauen Geburtsjahres (Geburtsdatums) erforderlich. Die von den einzelnen Bezirken geführten Stellungslisten*2, die für Geburtsjahrgänge der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten sind, bieten zusätzliche wichtige Informationen: das genaue Geburtsdatum, den Namen des Vaters (der Eltern) und die Aufenthaltsadresse. Bei den als untauglich klassifizierten Stellungspflichtigen sind die dafür entscheidenden Gründe angeführt. Körperschwäche, Leistenbruch, Plattfüße, Schwerhörigkeit - um nur einige Beispiele zu nennen, reichten in Friedenszeiten aus, um nicht assentiert zu werden. Die Grundbuchsblätter und Stellungslisten der außerhalb der Grenzen des heutigen Österreichs heimatszuständig gewesenen Wehrpflichtigen (Geburtsjahrgänge 1850-1900) gelangten nach dem Zerfall der Habsburger Monarchie (1918) nicht in das Wiener Kriegsarchiv, sondern verblieben gemäß den Friedensbestimmungen von Saint-Germain (1919) in den Nachfolgestaaten, wo sie größtenteils vernichtet wurden. Wenn uns dadurch auch viele Grundbuchsblätter nicht (mehr) zur Verfügung stehen, so können manchmal bei Vorliegen gezielter Hinweise zumindest Eintragungen in den Militärmatriken aufgefunden werden. Die Tauf-, Trauungs- und Sterbefalle wurden auf Grund der eingesendeten Matrikelextrakte von den grundbuchsführenden Stellen in den Grundbuchsblättem eingetragen. Sind in der Conduiteliste bzw. Qualifikationsliste eines Offiziers bloß der Familienstand (ledig, verheiratet, verwitwet) sowie die Anzahl der unversorgten und versorgten Kinder angeführt (nur selten genaue Heirats- und Geburtsdaten), so kann auf Basis der präzise eingeschriebenen Daten im Grundbuchsblatt die jeweilige Immatrikulation in den Militärmatriken gesucht werden. In Kriegszeiten waren es vorwiegend Gefallene, aber auch an Verwundungen und anderen Kriegsfolgen Verstorbene, die in die Sterbematriken eingetragen werden mussten, - davon eine hohe Anzahl im Ersten Weltkrieg. Hingegen sind in Friedenszeiten vielfältigste Todesarten zu verzeichnen: In der Zeit vor 1784 sind kaum Vermerke der Krankheiten zu finden, an denen die Soldaten bzw. ihre Frauen und Kinder verstarben. Ab 1784 ist die Rubrik 22 * Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs 22 Derzeit ist eine Neuaufstellung der Stellungslisten samt Assent- und Evidenzprotokollen sowie ein dazugehöriges neues Bestandsverzeichnis in Bearbeitung. 105