Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

DOMNANICH, Renate: Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs als Quellen der genealogischen Forschung

Vom Dragonerregiment Nr. 9, das 1682 als Kürassierregiment aufgestellt wurde, sind beispielsweise schon ab 1717 die Matrikenbücher erhalten geblieben. Das Tauf-, Trau- und Sterbeprotokoll von 1717 bis 1784 ist zur Gänze in lateinischer Sprache abgefasst.6 7 8 Darin ist die Immatrikulation der Heirat am 16. Novem­ber 1728 in Brüssel des damaligen Obersten und Regimentskommandanten Fried­rich Heinrich Freiherr von Stain" mit der Anna Desideria, geborene von Vatteville [Watteville], zu finden. Außer dass die beiden katholisch und ledig waren, wurden keine weiteren Angaben zu den Brautleuten vermerkt, auch keine Altersangaben.9 10 11 Dann sind die Geburten von drei Kindern eingetragen: Maria Philippa, geboren am 30. November 1730, Heinrich Friedrich, geboren am 14. Jänner 1732, und Ca­rolina Anna, geboren am 14. Mai 1733."’ Leider fehlt hier ausgerechnet die Immatrikulation der Geburt des ältesten Soh­nes Karl Leopold im Dezember 1729, des späteren Feldzeugmeisters Leopold Graf Stain, letzter Inhaber des im Jahre 1809 aufgelösten Galizischen Linien­infanterieregiments Nr. 50." Naturgemäß handelt es sich beim überwiegenden Teil der Eintragungen in die Militärmatriken um Sterbeeintragungen. Doch ist nicht jeder, der während der Militärdienstzeit verstarb, „vor dem Feinde geblieben“. Zur Vielfalt der Sterbe- Ursachen möchte ich noch in weiterer Folge eingehen. Die Trauungseintragungen machen den geringsten Teil aus, auch wenn es einige Militärpersonen schafften, im Laufe ihrer (langen) Dienstzeit mehrmals zu heira­ten.12 Zahlenmäßig höher sind die Taufeintragungen. Es werden immer wieder Anfra­gen nach genaueren Daten über Väter unehelich geborener Vorfahren an das Kriegsarchiv gerichtet. Welche Chancen hat nun der Forschende, in den Militär­Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs 6 Dieses Kavallerieregiment wurde - wie die meisten - mehrmals umgewandelt und umnummeriert - vgl. Wrede, Alphons Freiherr von: Geschichte der k. und k. Wehrmacht. Bd. 1 - 5. Wien 1898-1905, Bd. 3/1, S. 182 f. 7 Erst nach Erlass des Patentes vom 20. Februar 1784 trat infolge des in deutscher Sprache abge­fassten vorgeschriebenen Formulares in den deutsch-slawischen Kronländem fast allgemein die deutsche Sprache an die Stelle der lateinischen - vgl. Grießl, Anton: Kirchliche Vorschriften und österreichische Gesetze und Verordnungen in den Matriken-Angelegenheiten. Graz 1891, S. 57. 8 Friedrich Heinrich (auch: Ferdinand Heinrich) Freiherr von Stain wurde am I 1. Jänner 1682 geboren und verstarb als Feldmarschall-Leutnant im Jahre 173§. 9 KA, Militärmatriken, AB 02747: DR Nr. 9, Tauf-, Trauungs- und Sterbeprotokoll 1717 1784, Trauungen, S. 2. 10 Ebenda, AB 02747: Taufen, S. 5, S. 7, S. 8. 11 Vgl. Wred e: Geschichte der k. und k. Wehnnacht. Bd. 2, S. 254 f. 12 Beispielsweise heiratete Feldmarschall-Leutnant Johann Freiherr Töply von Hohenvest (1817- 1905) nacheinander drei Schwestern aus der Familie der Freiherm Sardagna von Meanberg und Hohenstein. 99

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