Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Die Seitenaltarbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald Christentums, zum „ehrwürdigen Altertum“, wurde als eigentliche „Aufklärung“ empfunden und diente den Jansenisten als Legitimation ihrer antikurialen Einstel­lung“. Van Swietens Reformplan vom 17. Jänner 1749, den die Kaiserin billigte, war darauf ausgerichtet, die Aufklärung zu fördern und das Monopol der Jesuiten an den Universitäten zu brechen86 87. Die Volkserziehung organisierte Maria Theresia mit Hilfe des Abtes Johann Ignaz Felbiger von Sagan, der die katholischen Schulen in Preußisch-Schlesien reformiert hatte, völlig neu88. Felbigers erstes Werk war die Ausarbeitung einer endgültigen Schulordnung, um deren Abfassung man sich schon seit längerer Zeit glücklos bemüht hatte89. Neben van Swieten war besonders Johann Christoph Freiherr von Bartenstein90 während seiner Studienzeit in Paris mit mit jansenistischen Strömungen in Berührung gekommen. Der Auflösung des Jesuitenordens stimmte Maria Theresia aus Rücksicht auf die darauf drängenden, ihr durch die mehrfachen bourbonischen Heiraten ihrer Kinder nahe stehenden bourbonischen Höfe schweren Herzens und entgegen ihrer inneren Überzeugung zu, obwohl sie die Verdienste der Jesuiten besonders auf dem Gebiet des Bildungswesens ausdrücklich anerkannte91. Der Jesuitenorden blieb auch nach seiner Aufhebung der große Gegenspieler der Jansenisten92 93. Die scharfe Jesuiten­feindlichkeit der Jansenisten konnte aber auf die Kaiserin keinen Einfluss gewin­nen91. Scheinbar hatte es Propst Ignaz Müller, der Beichtvater der Kaiserin (seit 1767) und Nachfolger des Jesuiten Ignaz Kampmiller94, ihr zur Gewissenssache gemacht, in die Aufhebung des Jesuitenordens einzuwilligen95. Allerdings war die Verurteilung von Muratoris „Die wahre Andacht des Christen“ durch den Beicht­vater von Erzherzogin Maria Anna und die darauf folgende Verteidigung von Mu­86 H er s c h e: Spätjansenismus, S. 364. 87 Hantsch: Geschichte, S. 174;Wandruschka: Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 44. 88 Wandruschka: Maria Theresia und ihre Zeit, S. 35; Derselbe; Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 59. 89 Katalog: Maria Theresia und ihre Zeit, S. 451. 90 Braubach, Max: Johann Christoph Bartensteins Herkunft und Anfänge, ln: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 61 (1953), S. 99-149; Hrazky, Josef: Johann Christoph Bartenstein, der Staatsmann und Erzieher. In: Mitteilungen des Österreichischen Staats­archivs 11 (1958), S. 221-251; Wandruszka: Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 32. 91 Duhr SJ, Bernhard: Die Kaiserin Maria Theresia und die Aufhebung der Gesellschaft Jesu. In: Stimmen der Zeit 56/110 (1926), S. 207-221; Kröll, Helmut: Beiträge zur Geschichte der Aufhebung der Gesellschaft Jesu in Wien und Niederösterreich. Diss. Wien 1964; Hersehe: Spätjansenismus, S. 153-157; Wandruszka: Maria Theresia und ihre Zeit, S. 38; Derselbe: Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 59, 65; Zö 11 n er: Geschichte, S. 315. 92 H e r s c h e: Spätjansenismus, S. 345. 93 Walter: Stellung, S. 40. 94 Hersche: Spätjansenismus, S. 128, 135. 95 Ebenda, S. 126 f. 395

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