Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Werner Telesko Die Pilgerattribute sind auch fur den hl. Franz Xaver in Sulz prägend: Der Heili­ge ist im Typus eines Unterweisenden mit schwarzer Soutane, Mantel und Hut wiedergegeben. Die Pilgermuschel befindet sich auf der linken Brust, darunter ist das zur Unterweisung benötigte Stabkreuz dargestellt. Über den linken Arm des Heiligen sind Rosenkränze gelegt. Mit der Linken hält er ein Gebetbuch oder einen Katechismus (im Jahre 1777 in den Schulen und Kirchen Österreichs vorgeschrie­ben)40. Auf dessen Deckblatt erscheint eine Maria mit Kind (Hinweis auf ein Gna­denbild?). Mit der Rechten deutet der Heilige auf die über ihn schwebende Geist­taube, hinter der das göttliche Licht zwischen von Putten besetzten Wolken hervor­bricht. Die Rahmung des Gemäldes wird von zwei mächtigen Säulenordnungen gebildet. Die linke Ordnung besitzt eine mächtige attisch-ionische Basis, die leicht untersichtig wiedergegeben ist. Eingepasst in das untere Drittel des Hochovals sind die Mitglieder der kaiserlichen Familie - als Zuhörer der Heiligenunterweisung — dargestellt. Ein engerer inhaltlicher Bezugspunkt zur kaiserlichen Familie ergibt sich vor al­lem durch das Gebetbuch (bzw. den Katechismus) in den Händen des hl. Franz Xaver. Einen konkreten historischen Rahmen vermittelt hier das 1747/1754 von einem unbekannten Künstler hergestellte Gebetbuch für Franz Stephan und Maria Theresia41. Das darin auf fol. 103v—104' eingetragene Gebet kann die religiösen Ambitionen des Kaiserhauses in der Zeit der Entstehung der Laxenburger Seiten­altarbilder verdeutlichen: PRIERE POUR / LEU(RS) MAJESTES IMPER(IA)LES Nous vous suplions, o Dieu / tout-puissant, que Franyois votre / fidele Serviteur et notre Empereur, / et Marie The­rese notre Auguste / Reine et Imperatrice, qui par / votre grace exercent Le gouvemem= / ent souverain de L'Empire, re9oi= / vent aussi de vous L'accroissement / des toutes Les vertus. Afin que Les / possedans en un degré eminent, ils / puissent éviter Les monstres des vices, / et enfin arriver jusqu'á vous, qui / étes La voie, La verité, et La vie: vous / qui étant Dieu, vivez, et regnez a= / vec Dieu Le Pére en L'unité du Saint / Esprit dans tous les siécles des sié= / cies. Ainsi soit-il // PRIERE / Pour SA MAJESTE / LTMPERA= / TRICE, & les / PRINCES et PRINCES= / SES SES ENFANS // Seig­neur qui étes Le Chef de / toute Principauté et de toute Puis= / sance, secourez, s'il vous plait vos / Serviteurs et Servantes, Marie / Therese, Joseph, Charles, et Leo= / pold, et ses Soeurs, et répandez sur / eux tout L esprit de votre grace / salutaire, qui Leur fasse reporter / humblement á vous seul Le pouvoir / dönt ils sont revetus; par not­re Sei= / gneurs Jesus-Christ. Ainsi soit-il. 59 Juan de Mesa, Theodor Galle, Adriaen Collaert, Karel van Mallery, Vita Beati Patris Ignatii, Antwerpen 1610, Abbildung in: Kö n ig-N or d h o ff, Ursula: Ignatius von Loyola. Studien zur Entwicklung einer neuen Heiligen-Ikonographie im Rahmen einer Kanonisations-Kampagne um 1600. Berlin 1982, S. 265-270, Abb. 67, 68; Kupferstiche von Jean Baptiste Barbé (Abbildung in: Ebenda, S. 317, Abb. 401,402, 404). 40 Hollerweger: Reform, S. 78. 41 Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. ser. nov. 3593. In: Katalog: Maria Theresia und ihre Zeit. Zur 200. Wiederkehr des Todestages, Schloß Schönbrunn. Salzburg-Wien 1980, S. 315, Nr. 62.02. 388

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